Krefeld: KFC-Spieler kämpft um das Leben seines Kindes

Krefeld: KFC-Spieler kämpft um das Leben seines Kindes

Der griechische Fußballprofi Ioannis Alexiou hat seine Karriere umgestellt, um seinen todkranken, zwei Jahre alten Sohn Thanos in Deutschland behandeln zu lassen. Der Junge leidet an einer Fehlfunktion der Leber, die Kristalle ausgeschüttet hat, die in der Folge die Nieren zerstört haben. Eine Transplantation war der letzte Ausweg.

Als der KFC Uerdingen im vergangene Sommer vermeldete, einen Fußballer aus der griechischen Ersten Liga Superleague verpflichtet zu haben, da dachten viele der Fans an einen erneuten Transfercoup ihres griechischstämmigen Präsidenten Agissilaos "Lakis" Kourkoudialos.

Ioannis Alexiou (Mitte) im Gespräch mit KFC-Boss Lakis, Heinrich Löhr und Oliver Schaulandt. Foto: Lammertz

Doch hinter dem Engagement verbarg sich ein dramatischer Hintergrund: Ioannis Alexiou hat einen kleinen Sohn, der an einer schweren Krankheit leidet. Die Leber des mittlerweile zwei Jahre alten Thanos schüttete Kristalle aus, die unweigerlich die Nieren zerstörten.

Eine Transplantation beider Organe war unausweichlich. Und die Universitätsklinik in Essen gilt auf diesem Gebiet als die europaweit führende, so dass sich der Grieche entschied, seine Profikarriere bei APO Levadiakos erst einmal auf Eis zu legen und nach Deutschland, in die fünfte Liga zum KFC Uerdingen, zu wechseln.

Entstanden war der Kontakt seinerzeit über den KFC-Boss, der mit einem Spielerberater bekannt ist, der zahlreiche Griechen berät, darunter auch den früheren Bundesliga-Torschützenkönig Theofanis Gekas oder den jetzigen Schalker Kyriakos Papadopoulos.

"Als mir der Berater von der Geschichte erzählt hat, habe ich mich mit Ioannis in Griechenland getroffen und ihm Hilfe angeboten", erzählt Lakis. "Ich bin ja selbst auch Vater; unsere Söhne sind fast gleich alt. Daher konnte ich nachvollziehen, was in ihm vorgeht." Aus der angebotenen Hilfe wurde ein Engagement beim KFC.

Alexiou machte deutliche Abstriche beim Gehalt und unterzeichnete einen Vertrag bis zum Ende der Saison 2013/14. "Für mich ist Lakis der beste Mensch, den ich kenne. Ohne ihn hätte mein Enkel keine Zukunft", sagt Kalliopi Savatoupi, Alexious Schwiegermutter über Lakis, der in der Öffentlichkeit häufig als kalter Geschäftsmann wahrgenommen wird.

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"Es war keine Frage, dass wir in Griechenland alles aufgeben würden, um unserem Sohn zu helfen", sagt Alexiou, der mit seiner Frau und eben jener Schwiegermutter nach Krefeld umsiedelte. Die Großmutter des Jungen, die selbst 15 Jahre in Deutschland gelebt hat, sollte ursprünglich ihrem Enkel ein Stück ihrer Leber spenden, das dann in Körper des Kindes mitwachsen sollte. Doch die Transplantation Anfang März schlug fehl.

Europaweit wurde fieberhaft nach einer anderen Spenderleber gefahndet. Bereits drei Tage später hatte Thanos Glück und bekam ein passendes Organ eingesetzt. Zwar liegt der Junge weiterhin im Krankenhaus, doch mittlerweile muss er nur noch viermal in der Woche zur Nierendialyse — zuvor waren es sechs dieser Reinigungen gewesen. In etwa einem halben Jahr steht dem Zweijährigen eine weitere schwere Operation bevor, wenn er eine Spenderniere erhalten soll.

Unterstützung in dieser schwierigen persönlichen Situation holt sich Ioannis Alexiou über seinen Sport und die Erfolge mit dem KFC. "Fußball ist nach meinem Kind meine zweite große Liebe. Auf dem Platz kann ich abschalten", sagt der 29-Jährige, den auch die Fans ins Herz geschlossen haben.

Der Innenverteidiger, der lediglich am Operationstag seines Sohnes eine Partie versäumt hat, ist ob seiner für diese Spielklasse überragenden Qualität eine der Säulen des Oberliga-Tabellenführers, der wohl auch deshalb die beste Abwehr der Liga stellt.

Die KFC-Fans präsentierten für ihn ein meterlanges Transparent mit der Aufschrift "Wir wünschen Thanos viel Gesundheit" bei einem Spiel in der Grotenburg, um ihm damit ihre Anteilnahme auszudrücken. Die Sympathie, die ihm entgegenschlägt, hat auch dazu beigetragen, dass sich seine Familie und er in Krefeld mittlerweile heimisch fühlen, "auch wenn ich das Wetter und den Meeresstrand aus Griechenland vermisse", sagt Alexiou.

Er hofft, dass der bevorstehende Aufstieg mit dem KFC nicht der letzte sein wird. "Die griechische Erste Liga ist vom Niveau her vergleichbar mit der Zweiten Bundesliga. Vielleicht kommen wir da ja noch irgendwann mal hin."

(RP/EW)
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