Kalkar: Forum Kalkar mit Norbert van de Sand

Kalkar: Forum Kalkar mit Norbert van de Sand

Der Initiatorin Britta Schulz, die CDU-Mitglied ist, droht der Parteiausschluss. Dies gilt auch für Norbert van de Sand (CDU), der für die neue Wählergemeinschaft kandidieren will. Weitere CDU-Mitglieder sollen "Seitenwechsel" planen.

Mit ihrer Einladung zur Gründung einer Wählergemeinschaft "Forum Kalkar" am Montag, 3. Februar, um 19.30 Uhr in der Gaststätte "Marktstübchen" am Kalkarer Marktplatz ist dem CDU-Mitglied Britta Schulz ein "Überraschungs-Coup" gelungen. Nicht nur CDU-Fraktionsvorsitzender Günter Bergmann, der sich schon gestern von der Forum-Kalkar-Nachricht überrascht gezeigt hatte, sondern auch die Vorsitzenden der SPD-, FDP- und FBK-Fraktion im Stadtrat hatten nicht damit gerechnet, dass die Christdemokratin eine derartige Initiative mit dem vorrangigen Ziel starten werde, die absolute Mehrheit der CDU in der Nicolai-Stadt nach Jahrzehnten zu beenden.

Britta Schulz ist nicht das einzige CDU-Mitglied, das ins Forum Kalkar wechseln wird. Auch Norbert van de Sand, CDU-Mitglied und fraktionsloses Ratsmitglied, erklärte gestern: "Man hat mich gefragt, und ich mache gerne mit." Sowohl für die Vorstandsarbeit als auch eine Kandidatur bei der Kommunalwahl stehe er zur Verfügung. Zudem berichtete Norbert van de Sand: "Und es gibt noch weitere Kalkarer CDU-Mitglieder, die sich dem Forum Kalkar anschließen wollen."

Dass sich Norbert van de Sand der neuen Wählergemeinschaft anschließen würde, überraschte in der Kalkarer Polit-Szene niemanden wirklich. Erst recht nicht, nachdem der Hönnepeler als "webmaster" für die Gestaltung der Internetseite www.forum-kalkar.de verantwortlich zeichnete. Auch unter den Fraktionsvorsitzenden war klar, dass das fraktionslose Ratsmitglied nicht mehr als "one-man-show" agieren wolle, sondern versuchen werde, für sich zur Kommunalwahl eine "neue Plattform" zu schaffen.

"Die geplante Gründung von Forum Kalkar macht offenbar, dass es in Kalkars CDU einen Erosionsprozess gibt — schon seit längerer Zeit", meint Jochem Reinkens, SPD-Fraktionschef in Kalkar. Wenn Forum Kalkar im Mai zur Kommunalwahl antreten werde, werde dies sicher der CDU und der FBK Stimmen kosten. Die absolute Mehrheit der Christdemokraten ist für den SPD-Fraktionsvorsitzenden auf jeden Fall in Gefahr. Für seine Partei sieht Jochem Reinkens in einer erweiterten Parteienlandschaft "günstigere Konditionen", ein "schärferes Profil" zu zeigen. Zudem wolle die SPD zur Kommunalwahl mit "neuen und jüngeren" Gesichtern antreten.

Auf das Ende der absoluten CDU-Mehrheit hofft auch der Fraktionschef der Grünen, Willibald Kunisch, der zugleich meinte: "Hoffentlich nimmt Forum Kalkar nicht auch uns Stimmen weg." Die Initiatorin Britta Schulz schätzt der Grüne wegen ihrer "aufgeschlossenen Position". Zudem sei die 54-Jährige, die sich mit Forum Kalkar für mehr Bürgernähe, Transparenz und Verlässlichkeit in der Lokalpolitik einsetzen will, "glaubwürdig".

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Mit "Skepsis" hat der FBK-Fraktionsvorsitzender Jürgen Wenten die geplante Wählergemeinschaftsgründung aufgenommen. Ihn lässt es zweifeln, dass Britta Schulz — nach etwa 15 Jahren — bemerkt haben wolle, dass sich in der Kalkarer CDU nichts bewegen lasse. Dass das Forum Kalkar der FBK Wählerstimmen wegnehmen könne, befürchtet Jürgen Wenten nicht.

Die "Glaubwürdigkeit" des Forums Kalkar hängt laut FDP-Fraktionsvorsitzendem Boris Gulan entscheidend von den Protagonisten der neuen Wählergemeinschaft ab. "Da muss man abwarten, wer im Mai kandidieren wird", sagt der Liberale. Auch für Jochen Reinkens (SPD) ist dies eine spannende Frage.

Spannend könnte es nicht nur bei der Kommunalwahl im Mai, sondern auch 2016 bei der Bürgermeisterwahl werden. Schließlich ist nicht auszuschließen, dass Forum Kalkar auch dafür einen Kandidaten ins Rennen gegen Gerhard Fonck (CDU) schicken wird. Doch bis dahin ist noch Zeit.

Bald dürfte — wenn sie nicht freiwillig die CDU verlassen — Britta Schulz und Norbert van de Sand der Parteiausschluss drohen. Mitgliedschaft und Kandidatur für eine konkurrierende Partei sind als "parteischädigendes Verhalten" laut Kreisgeschäftsführer Manfred Lorenz "glasklare" Gründe, die den Kreisvorstand berechtigten, ein Parteiausschlussverfahren zu beantragen.

(RP)
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