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Bedburg-Hau: Kein freier Platz in der Igel-Notstation

Bedburg-Hau : Kein freier Platz in der Igel-Notstation

Seit 16 Jahren kümmert sich Ulrike Wellmanns um ihre stacheligen Lieblingstiere. Zurzeit sind es 45 – so viel wie noch nie zuvor. Der milde Winter wird dabei zum Fluch, und der oft falsche Umgang mit den Igeln lässt die 45-Jährige erzürnen.

Seit 16 Jahren kümmert sich Ulrike Wellmanns um ihre stacheligen Lieblingstiere. Zurzeit sind es 45 — so viel wie noch nie zuvor. Der milde Winter wird dabei zum Fluch, und der oft falsche Umgang mit den Igeln lässt die 45-Jährige erzürnen.

Der Stachel sitzt tief bei Ulrike Wellmanns. Lange könnte sie von den Missständen berichten, die sie regelmäßig vor Wut kochen lassen. "Es ist ein Kampf gegen Windmühlen", sagt die 45-Jährige. Doch was genau treibt ihr die Sorgenfalten auf die Stirn?

Seit 16 Jahren kümmert sich die Dame aus Bedburg-Hau um verletzte, kranke oder verwahrloste Igel, nimmt sie in ihrem Haus auf und pflegt sie fachmännisch. Für ihre stacheligen Lieblingstiere bringt sie zahlreiche Opfer — zeitlich und auch finanziell. Tierarzt-Rechnungen stapeln sich bereits, und manchmal knipst sie erst um vier Uhr morgens die Nachttischlampe aus. Seit zehn Jahren waren sie und ihr Ehemann nicht mehr im Urlaub.

Besserung ist nicht in Sicht — eher das Gegenteil ist der Fall, denn in diesem Winter ist es besonders voll in der Notstation der hauptberuflichen Krankenschwester mit dem Helfersyndrom. 45 Igel überwintern zurzeit im Keller von Ulrike Wellmanns oder in den beiden geräumigen Gartenhäusern, bei denen nur noch der Name auf die ursprüngliche Funktion hinweist. "So viel waren es noch nie. Alle Kapazitäten sind voll ausgeschöpft", sagt die 45-Jährige.

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Der milde Winter wird gerade für Jung-Igel zum Fluch. Denn aufgrund der niedrigen Temperaturen erwachen die unter 500 Gramm schweren Exemplare immer wieder aus ihrem Winterschlaf, um auf Nahrungssuche zu gehen. Jede Aufwachphase bedeutet einen enormen Energieverbrauch. Das Tier muss dabei viele seiner Reserven einsetzen.

Einmal wach, findet es aber im Winter keine Nahrung und irrt oft tagelang hungrig umher, wobei oft die letzten Energiereserven verloren gehen. "Manche Tiere sterben elendig. Viele laufen sich einfach zu Tode", sagt Ulrike Wellmanns, die wütend ist über die vielen falschen Auskünfte, die über Igel erteilt werden. Auch unkorrekte Behandlungsmethoden lassen die Bedburg-Hauerin erzürnen. "Viele Menschen versuchen, das Tier selber aufzunehmen und zu pflegen", sagt sie.

Ein Fehler, denn die Tiere müssen fachmännisch behandelt werden, wie es Ulrike Wellmanns in ihrer Notstation macht. So stehen zunächst Wurmkuren aufgrund der verbreiteten Innenparasiten auf dem Programm. Zudem verfügt sie über die nötigen Medikamente und führt auch Kotuntersuchungen mit ihrem eigenen Mikroskop durch.

Noch wütender ist die 45-Jährige jedoch über die ermüdende Gleichgültigkeit vieler Menschen bezüglich der Igel: "Vielen Menschen sind diese geschützten Wildtiere egal. Auch viele Tierärzte kümmern sich nur halbherzig", sagt sie. Menschen, die noch Igel in der freien Wildbahn sehen, rät sie, das Tier bis zum Transport in die Notstation in einer ausbruchsicheren, mit Zeitungspapier ausgelegten Kiste unterzubringen. Auch ein Schälchen Wasser und etwas Katzenfutter sollten nicht fehlen.

Wie es in Zukunft für Ulrike Wellmanns Igel-Notstation weitergeht, weiß sie selber nicht genau. Fakt ist jedoch, dass sie den strapaziösen Vollzeit-Job aus gesundheitlichen Gründen nicht länger in diesem Maße ausüben kann. Die 45-Jährige hängt jedoch zu sehr an den Tieren, um sie einfach ihrem Schicksal zu überlassen. "Aber das Problem ist, dass es fast kein anderer machen will", sagt sie.

(RP)