Union-Gelände in Kleve: Die Margarine-Fabrik wird ein Denkmal

Union-Gelände in Kleve: Die Margarine-Fabrik wird ein Denkmal

Für das LVR-Amt für Denkmalpflege ist das alte Fabrik-Gebäude aus Backstein auf dem Union-Gelände ein wichtiges Denkmal der einstigen Industrie in Kleve und in der Region. Politik und Verwaltung begrüßen den Vorstoß des LVR.

Vom Transportband mit dem berühmten Rama-Schriftzug, das Fabrik und Bahnhof miteinander verband, ragt nur noch ein Stummel aus der alten Klinkerfassade. Schuttberge bestimmen jetzt das Bild der einst so stolzen Klever Margarine-Werke, von der aus Rama in die Welt verschickt wurde. Seit 1888 hatte die Fabrik das Bild der Unterstadt geprägt.

In Kellen gelegen, warb die van-den-Berg'sche-Margarinefabrik gerne mit der Klever Silhouette. Dabei hatten die Klever den Bau abgelehnt. Aus Angst, das Industrie-Werk würde den Kurbadbetrieb beeinträchtigen. Heute sind Badbetrieb und Margarinewerk Geschichte. Im Friedrich-Wilhelm-Bad ist das Museum. In der Margarine-Union kreist die Abrissbirne.

Doch jetzt ruhen die Bagger: Ein Teil der Union soll Denkmal werden. "Die Margarinefabrik verdeutlicht die regionale Industrieentwicklung des Niederrheins. Die Erhaltung des Bauwerks liegt aus künstlerischen, städtebaulichen und wissenschaftlichen, besonders industrie-, architektur-, regional- und ortsgeschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse", sagt Prof. Dr. Walter Buschmann vom Landschaftsverband Rheinland (LVR), Amt für Denkmalpflege.

Er denkt dabei vor allem an den großen Mittelbau aus Backstein, den man vom Bahnhof aus sieht: "Der überwiegend als Margarine-Fabrik bezeichnete Kernbau ist in einem Zustand, der besonders zwei Phasen der Werksentwicklung dokumentiert: den Werksausbau der 1920er Jahre und den Wiederaufbau in den Jahren 1948 bis etwa 1950". Sieben unterschiedliche Bauteile werden seit dieser Zeit von einer einheitlichen Backsteinfassade umschlossen, beschreibt Buschmann in seinem Gutachten das mögliche Denkmal.

Von der schönen, aufwendig mit Giebeln und Lisenen gestalteten Fassade sind nur die einst kleinteiligen Industrie-Sprossenfenster, die auf den alten Originalplänen noch zu sehen sind, verloren gegangen. Trotz ihrer Nachkriegs-Sachlichkeit erinnert die Fassade in ihrer Struktur aber ebenso an alte Fabrik-Burgen aus der Jahrhundertwende. "Die Fassadenarchitektur der Van-den-Berg'schen-Margarinefabrik ist ein Beispiel für das Wiederaufleben von Architekturformen der Zeit vor dem NS-Regime und verdeutlicht die vielfach anzutreffende verhaltene, teils auch traditionsbezogene Moderne der Nachkriegszeit", schreibt Buschmann.

"Wir finden diesen Schritt ganz wichtig — auch im Sinne der Stadt", sagt Stadtführerin und Grünen-Ratsmitglied Wiltrud Schnütgen. Diese Gebäudeteile seien "auf jeden Fall erhaltenswert", sagt sie. Auch CDU-Stadtverbandschef Jörg Cosar begrüßt den Vorstoß des LVR-Amtes für Denkmalpflege in Brauweiler. Michael Kumbrink, Sprecher der SPD-Ratsfraktion, bezeichnet es als vernünftig, ein Andenken an die Industrie in Kleve zu erhalten. "Ich kann nachvollziehen, dass das als erhaltenswert deklariert wird. Schließlich spielte die Union eine wichtige Rolle in der Industriegeschichte der Stadt Kleve. Man sollte es hinbekommen, die Gebäude mit dieser Fassade in die künftigen Planungen zu integrieren", sagt Daniel Rütter, Chef der FDP-Fraktion.

Investor Bernd "Mom" Zevens hat das Ganze erst einmal zur Kenntnis genommen. Bei der Entwicklung des erfolgreichen eoc hatte er ja das alte elefanten-Schuhlager, für das bereits eine Abrissgenehmigung vorlag, vor dem Bagger gerettet und sehenswert saniert. Ebenso wurde beim eoc die alte elefanten-Verwaltung integriert.

"Natürlich müssen wir der fachlichen Beurteilung der Denkmalbehörde beitreten: Wir behandeln das Union-Gebäude also wie ein Denkmal", sagt Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer. Das bedeutet: Für diesen Bereich wird es keine Abrissgenehmigung geben, auch wenn es faktisch noch nicht unter Denkmalschutz gestellt werden muss. Dennoch, so räumt Rauer ein, werde das die Entwicklung des Union-Geländes nicht erleichtern. "Wir diskutieren derzeit noch über die Gesamtentwicklung dieses Bereiches, was man dort künftig genehmigen darf", sagt Rauer. Denn schließlich produziere gleich nebenan in den neuen Hallen "Phoenix" weiterhin die neue "Creme fin". Werde das Union-Gelände ein Mischgebiet, könne dort sogar Wohnbebauung zugelassen werden. "Es ist alles noch offen — wir hoffen, dass wir im Rahmen des neuen Flächennutzungsplanes konkretisieren können, was dort stehen darf und was nicht", sagt Rauer.

(RP/rl)
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