Hückeswagen: Jüdische Lieder vor dem Altar der Pauluskirche

Hückeswagen: Jüdische Lieder vor dem Altar der Pauluskirche

Das Duo "Tangoyim" unternimmt eine musikalische Reise durch Osteuropa bis ins Amerika der 1920er Jahre.

Die Einladung zur ersten "Musik in der Offenen Kirche" in diesem Jahr konnten die Besucher wörtlich nehmen. Dank der sommerlichen Temperaturen blieb die Eingangspforte am Sonntag geöffnet, als das Duo ,Tangoyim' sein einstündiges Konzert in der Pauluskirche gab. Die Hückeswagener Musiker Stefanie Hölzle und Daniel Marsch haben sich in der Duo-Formation seit vielen Jahren auf Klezmer, eine aus dem aschkenasischen Judentum stammende Volksmusiktradition, spezialisiert. Mit Geige, Akkordeon, Klarinette und Gesang präsentierte das Duo jiddische Lieder, Tangos und Walzer aus Osteuropa, Russland und Amerika.

70 Zuhörer waren trotz schönen Wetters in die kühlere Kirche gekommen und schunkelten begeistert mit. Dank der Einführungstexte erfuhren sie Details über den Ursprung der Lieder, den Sinn der Texte und die Tradition, zu denen sie gespielt werden. Im Repertoire fanden sich Zigeunerweisen, die von enttäuschter Liebe handeln, ebenso wie Tanzlieder, die auf Hochzeiten gespielt werden. "Eine jüdische Hochzeit ohne Klezmer-Musik ist nicht vorstellbar", sagte Daniel Marsch. Aber auch Themen wie die Emigration Ende des 19. Jahrhunderts, als viele Juden nach Westeuropa, Argentinien und die USA auswanderten, wurden besungen.

Das Schöne an den Auftritten des Duo ,Tangoyim' ist, dass Stefanie Hölzle und Daniel Marsch die Lieder nicht nur auf ihre Art arrangieren und interpretieren, sondern diese Musik auch leben. "Über den Folklore-Tanz, der ja auch aus Osteuropa kommt, habe ich die Klezmer-Musik kennengelernt", berichtete Stefanie Hölzle. Ihr Partner Daniel Marsch beschäftigt sich schon seit seiner Jugendzeit mit der Musik, der jüdischen Sprache und der hebräischen Schrift. Durch Kontakte zu osteuropäischen Musikern und Festivalbesuche findet das Duo immer neue Stücke, die es ins Repertoire aufnimmt. Mehrere CDs sind bereits daraus entstanden.

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Zuschauerin Dorothee Salewski bereute es nicht, den Terrassenstuhl gegen die Kirchenbank getauscht zu haben. "Ich fand das Konzert sehr erfrischend. Es ist eine Musik, die einen mitnimmt", sagte die Hückeswagenerin. Auch Gertrud Kurtz und Irmtraud Fiebig hatten den Nachmittag mit der "Musik in der Offenen Kirche" und dem vorherigen Angebot zum Waffelessen des CVJM im "Treffpunkt" neben der Kirche gut genutzt. "Wir kennen ,Tangoyim' schon von Auftritten beim Mütterkreis. Es ist immer wieder schön", sagte Irmtraud Fiebig.

Das nächste Konzert der Reihe "Musik in der Offenen Kirche" findet am Sonntag, 13. Mai, 17 Uhr, statt. Dann spielt Stefan Kammerer beliebte Orgelwerke von Bach, Mendelsohn und anderen Komponisten in Pauluskirche.

(heka)