Haan: Wenn die Stromkosten über den Kopf wachsen

Haan : Wenn die Stromkosten über den Kopf wachsen

Die Caritas-Schuldnerberatung ist oft die letzte Rettung, wenn der Strom abgeklemmt wird. Sie bietet jetzt einen Stromsparcheck an.

1600 Euro Stromnachzahlung? Das kann doch gar nicht sein! Als Oliver Weber (Name von der Redaktion geändert) die Stromrechnung in den Händen hielt, musste er sich erstmal setzen. Seiner Frau standen die Tränen in den Augen, nebenan schlief der sechs Monate alte Sohn. Waschmaschine, Kühlschrank oder Fernseher? Was um Himmelswillen hatte bloß derart viel Strom verbraucht? "Später hat sich dann herausgestellt, dass der Herd falsch angeschlossen war", erklärt der junge Familienvater, wie es zu dem hohen Stromverbrauch gekommen war.

Bis das allerdings klar war, hatte das Unheil längst seinen Lauf genommen. Mit dem Stromanbieter wurde zwar eine Ratenzahlung von 250 Euro vereinbart, allerdings war auch der monatliche Abschlag auf 200 Euro gestiegen. "Wir leben vom Amt und konnten die 450 Euro im Monat einfach nicht bezahlen", erinnert sich der 28-jährige Mettmanner. So kam es, wie es oft kommt in solchen Fällen: Der Familie wurde der Strom abgeklemmt. Für eine Woche zog Oliver Weber mit Frau und Kind zu seiner Mutter.

Aber auch dort war die Lage prekär. Nicht nur, dass alle auf 45 Quadratmetern campieren mussten. Auch Regina Weber hatte Stromschulden angehäuft. Mit ihrem Sohn ging sie zur Caritas-Schuldnerberatung. Dort wurde erstmal die schwierige Lage geklärt und dafür gesorgt, dass der Strom wieder fließt und die Familie in die eigenen vier Wände zurückkehren konnte. Die Geschichte der Webers ist kein Einzelfall. Immer mehr Menschen wachsen die steigenden Energiekosten über den Kopf. "Das ist ein Riesenproblem geworden", weiß Caritas-Schuldnerberater Heinrich Beyll. Vor allem die Kombination von Nachzahlungsraten und steigenden Abschlagszahlungen sei für Betroffene eine unüberwindbare Hürde. "Ein solches Modell bricht für Menschen, die von staatlicher Unterstützung oder mit niedrigem Einkommen leben müssen, schnell zusammen und dann wird abgeklemmt", so Beyll.

Damit es soweit erst gar nicht kommt, bietet die Caritas den Stromsparcheck an. Geschulte Stromsparhelfer machen sich vor Ort gezielt auf die Suche nach Einsparmöglichkeiten. Auch Oliver Weber hat davon profitiert und nutzt in seiner Wohnung beispielsweise nur noch abschaltbare Steckerleisten. In der Wohnung seiner Mutter wurde festgestellt, dass die alte Tiefkühltruhe zu den größten "Stromfressern" gehört. Die Investition in ein neues und kleineres Gerät hat sich neben vielen anderen Maßnahmen gelohnt: "Ich habe bei der letzten Jahresabrechnung 160 Euro zurückbekommen", freut sich Regina Weber. Wer am Stromsparcheck teilnimmt und einen mehr als zehn Jahre alten Kühlschrank hat, darf sich zukünftig übrigens auch über einen Gutschein von 150 Euro freuen, um ein neues und energiesparendes Gerät anzuschaffen. Von dem kostenlosen Angebot profitieren können Bezieher von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld.

(RP)