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Goch: "Kinder zum Lesen bewegen? Schwer!"

Goch : "Kinder zum Lesen bewegen? Schwer!"

Welttag des Buches am 23. April. Bücher in den Zeiten des Internets, der Computerspiele und anderer elektronischer Zeitfresser? Geht das noch? Nicola Roth, Buchhändlerin in Goch, sagt: "Es geht noch. Aber es wird immer schwerer."

Kinder und Bücher. Nicola Roth kann eine Menge Geschichten erzählen. Besonders "beeindruckend" fand die bei der Völckerschen Buchhandlung angestellte Fach-Frau diese Geschichte: "Vater und Tochter kommen ins Geschäft. Das Kind möchte unbedingt ein Buch, besser zwei, in diesem Falle war's der Klassiker ,Hanni und Nanni'. Der Vater ist und bleibt desinteressiert. Auf die Frage der Tochter, ob er nicht vielleicht auch eins kaufen solle, kam als Antwort: Wenn er was lesen wolle, dann tue er das auf seinem Handy."

Da war sie platt, die Buchhändlerin. Aber das sei dann auch die zentrale Antwort auf eine zentrale Frage: Wie führt man Kinder an Bücher ran? Erst mal hänge das von den Eltern ab. Ob sie ihre Kinder fürs Leben interessierten und begeisterten — oder eben nicht, wie im Beispiel. Die Schulen? "Ja, sie machen das, sie versuchen es", erzählt Nicola Roth. So sei die Gustav-Adolf-Hauptschule die erste gewesen, die ihre fünften Klassen für die Völckersche Aktion zum "Welttag des Buches" angemeldet habe. Quer durch alle Schulformen machen 700 Mädchen und Jungen der vierten und fünften Klassen mit bei der Aktion "Ich schenk' dir eine Geschichte".

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Die Stiftung Lesen macht's möglich: Für gerade mal 70 Cent, den Selbstkostenpreis, gibt es für die teilnehmenden Schulen in diesem Jahr den "Wald der Abenteuer" vom bekannten Jugendbuchautor Jürgen Banscherus. Verbunden damit: Ein Klassenausflug in den Buchladen. Dabei fange sie, bekennt Nicola Roth, oft ganz klein und ganz vorn an. Was ist ein Hardcover, was ein Paperback?

Sind die Bücher, die vielen, im Buchladen nach Farben geordnet? Oder nach Namen? Oder gar nach Themenbereichen? Muss man wochenlang warten auf ein bestelltes Buch? "Da staunen dann die Kinder oft, dass es keine drei Wochen dauert, sondern das von ihnen bestellte Buch über Nacht lieferbar ist, ohne Porto- oder sonstige Nebenkosten." Warum sind Bücher überall gleich teuer, wofür ist das gut? Wer schreibt eigentlich all die Bücher, für wen?

Außer Frage steht: Gelesen wird noch, von vielen Kindern. Aber in der Regel immer dann, wenn die Kinder Vorbilder haben. Einmal in Form der Eltern, die selber lesen. Und wenn sie Vorlagen haben — in Form von Büchern, die es zuhause gibt.

Was lesen die, die lesen? Tatsächlich noch die modernisierten "Hanni und Nanni"-Bücher. "Viel Fantasy, Greg ist da sehr stark gefragt", so Nicola Roth. Ja, nach wie vor und immer wieder gerne Harry Potter. Auch Sabine Zett mit ihren "Hugo"-Büchern (für Jungs) und den "Sunny Sisters" (für Mädchen). Diese Autorin kommt übrigens für drei der bei Völcker am "Welttag des Buches" teilnehmenden Klassen für eine Autorinnenlesung nach Goch, ins Museum. Welche Klassen dabei sein dürfen — das wird noch ausgelost. Gymnasiasten zeigen in diesem Jahr, wie man sich mit dem an sich ausgedienten Teil vorhandener Bücher beschäftigen kann: Sie fertigten ganz besondere Rollen aus Büchern. zu sehen ab dieser Woche bei Völcker im Schaufenster.

Und sonst?

"Sonst machen wir weiter, das Netzwerk zu knüpfen und zu pflegen, das dazu dienen soll, Kinder fürs Bücherlesen zu begeistern", sagt Nicola Roth.

(RP)