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Goch-Pfalzdorf.: Kurt Nickel – Wahnsinn der Psychiatrie

Goch-Pfalzdorf. : Kurt Nickel – Wahnsinn der Psychiatrie

Gibt's das wirklich? Kann das sein? Fragen, die der Pfalzdorfer Heilpädagoge immer wieder hört. Seit vier Jahrzehnten arbeitet er in den LVR-Kliniken in Bedburg-Hau. Nun hat der Autor einen weiteren Krimi veröffentlicht.

Gäsnehaut. Kribbeliges Gefühl im Nacken. Genau dort sitzt einem die Geschichte: im Nacken. Sie ist der wahr gewordene Alptraum. Eine Vorstellung, die viele Menschen schon mal hatten. Man kommt, aus welchen Gründen auch immer, fälschlicher- und überflüssigerweise in eine psychiatrische Klinik. Und nicht mehr heraus. Weil dort jeder zu wissen glaubt: Das ist ein Patient, der nur behauptet, er sei "aus anderen Gründen" da.

Genau so geht es Kommissar Wegener von der Kriminalpolizei. Er lässt sich in einweisen in das, was man früher "Bewahrhaus" nannte. Das nicht mehr so heißt, aber letztlich das gleiche ist wie früher: Ein aufwendig abgeriegelter, umzäunter, vergitterter und "verdrahteter" Hochsicherheitstrakt. Ein Fort Knox auf dem Klinikgelände.

Kurt Michel beschreibt es in seinem Roman so: "Je tiefer Wegener in den Trakt eindrang, umso bedrückt wurde er. Es gab nicht einen Schein des Tageslichtes, der nicht vom Schatten irgendwelcher Gitterstäbe markiert war. Diese forensische Abteilung stand in keiner Weise den Einrichtungen eines bestens gesicherten Gefängnisses nach."

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Der erste Weg: ein Gemeinschaftsraum. Nur auf den allerersten Blick gemütlich. Menschen, die vor sich hin stieren oder unentwegt auf und ab laufen. Ganz in ihrer eigenen geistigen Welt. Dass diese Patienten im neuen Jargon nun "Kunden" heißen — all das ändert nichts an dem Horror, der für den eigentlich ermittelnden Kommissar nun beginnt. Klar, er sagt, er sei besagter Kommissar. Klar ist aber auch, dass ihm niemand glaubt. Die Folge: Er provoziert Zwangsmaßnahmen. Und damit fängt die erlebte Hölle erst an. Grausiges geschieht. Die Hoffnung, jemals wieder hier raus zu kommen, kann der Kommissar nur noch unter allergrößten Mühen aufrecht erhalten.

Geschockt hat Kurt Nickel seine Leser auch schon in seinen früheren Romanen. So geschockt, wie besagter Leserkreis das von einem Thriller-Autor erwartet — und letztlich erhofft. So subtil, so drastisch wie in seinem neuen Roman "Gefangen in der Psychiatrie" aber wohl noch niemals. Und — auch da merken Leser, die die Arbeiten des Pfalzdorfers von Anfang an kennen, sofort: Dieser Autor ist gereift. Hat sich "freigeschrieben". Ist immer besser geworden. Und: Er hatte das Glück, einen renommierten Verlag zu finden. Kein leichtes Unterfangen und an sich schon eine kleine "Adelung". Nickel hat einen Vertrag mit dem Verlag Südwestbuch in Stuttgart. Der stattet seine Bücher professionell und mit Leibe zum Detail aus. Catrin Stankov, Lektorin bei und für Südwest, redigierte sorgfältig. Der Aufbau der Geschichte: subtil und so gut durchgehalten, dass sich das Buch geradezu atemlos in einem Zug liest. Keine Bettlektüre für Zartbesaitete.

Und dann, im Gespräch mit dem Autor, kommt sie, zwangsläufig, die Frage: War das mal so in der Psychiatrie? Könnte das heute noch so passieren? Kurt Nickel: "Es ist nur ein Roman. Alles ist erfunden." Mehr sagt er dazu nicht. Auch so bleibt dieser Mann also spannend.

Curd Nickel: Gefangen in der Psychiatrie; Südwestbuch 2013; Taschenbuch als Originalausgabe. Preis 12,20 Euro, 266 Seiten: ISBN 978-3-942661-21-8

(RP)