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Goch-Uedem: Protestanten wollen mehr Ökumene

Goch-Uedem : Protestanten wollen mehr Ökumene

Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Kleve setzt Hoffnungen in Papst Franziskus. Zahl der Gemeindeglieder geht zurück. Vorerst keine Fusionen und Kirchenschließungen. 2017 Reformations-Jubiläum.

Nicht nur die Katholiken haben Wünsche an Papst Franziskus. Auch die evangelischen Christen blicken erwartungsvoll in Richtung Vatikan. "Bei der Ökumene setze ich Hoffnungen in den neuen Papst", sagt Pfarrer Hans-Joachim Wefers. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Kleve wartet auf Fortschritte im Miteinander der christlichen Konfessionen.

Die Möglichkeiten der Ökumene sieht Wefers nach dem II. Vatikanischen Konzil ausgereizt. "Man kann nach 40 Jahren kaum noch etwas Neues machen." Die Experimentierfreude der 1970er und 1980er Jahre erlebe man jetzt immer weniger. Das Miteinander verlaufe in den Gemeinden auf zwischenmenschlicher Ebene zwar relativ problemlos. Als "Dreamteam" bezeichnete der Superintendent in dieser Hinsicht in Geldern den katholischen Pfarrer Stefan Dördelmann und den evangelischen Pfarrer Ralf Streppel. Doch sei die Zahl der ökumenischen Begegnungen allgemein begrenzt, wenn der Rahmen des Erlaubten nicht erweitert werde. "Die Pfarrer sind bei den Katholiken stärker in die Disziplin eingebunden als bei uns", stellt der evangelische Geistliche fest. Er als Superintendent könne die Richtung in den einzelnen Gemeinden nicht so vorgeben, wie es der Papst und die Bischöfe könnten.

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Als Beispiel für gemeinsame Initiativen führte Stefan Schmelting, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Kleve, die ökumenische Notfallseelsorge im Kreis an. "Die klappt." Die alle zwei Jahre stattfindende "Nacht der offenen Kirchen", von den Katholiken initiiert und von den Evangelischen gerne aufgenommen, werde gut besucht.

Der evangelischen Kirche im Kreis Kleve gehe es gut, versichert der Superintendent. Wobei sie, wie überall, mit gesamtgesellschaftlichen Problemen zu kämpfen habe, an erster Stelle mit dem durch die demografische Entwicklung verursachten Mitgliederschwund. 44 600 Menschen sind derzeit im Evangelischen Kirchenkreis Kleve, das ist ein Bevölkerungsanteil von rund 18 Prozent. Pro Jahr ist ein Rückgang der Gemeindeglieder von rund 1,5 Prozent zu erwarten. "In den nächsten fünf Jahren sind die Änderungen aber nicht so gravierend, dass mit Fusionen oder Kirchenschließungen zu rechnen ist", betont Wefers. Trotz der Immobilienkosten dürften es sich in Zukunft die Verantwortlichen in einem Dorf mit nur einer evangelischen Kirche dreimal überlegen, bevor sie sie schließen.

Genug Pfarrer und Pfarrerinnen gibt es. Noch. "Die meisten sind zwischen 45 und 55 Jahre alt", erklärt Wefers (55). Die Hälfte bis zwei Drittel der 33 Seelsorger im Kirchenkreis geht in zehn bis 15 Jahren innerhalb kurzer Zeit in den Ruhestand. "In zehn Jahren brauchen wir neue Leute. Deshalb werben wir verstärkt für das Theologiestudium."

2017 feiern die evangelischen Christen ein großes Fest: 500 Jahre Reformation. Seit 2007 steht jedes Jahr unter einem besonderen Thema. 2013 lautet es "Reformation und Toleranz". Die ersten Jahre der Dekade sind laut Wefers, "weitgehend an uns vorüber gegangen". Auf der Kreissynode will er Impulse geben, die Jahre bis 2017 stärker zu betonen. Für manche Themen, so Pressesprecher Schmelting, seien Leute leichter zu gewinnen, für andere nicht.

(RP)