Kerken: Aufregung um Klebeband-Vorfall in Kita

Kerken: Aufregung um Klebeband-Vorfall in Kita

Ein Team-Mitglied eines Kerkener Kindergartens ist vorläufig freigestellt worden, weil es ein Kind mit Tesa-Film dazu gebracht haben soll, auf seinem Platz sitzen zu bleiben. Der Vorgang hat eine kontroverse Diskussion ausgelöst.

Eine pädagogische Kraft in einem Kindergarten in Kerken soll zu einem eigenwilligen Mittel gegriffen haben, um ein Kind an seinem Platz zu halten. Offenbar war ein Mädchen beim Mittagessen immer wieder vom Stuhl aufgesprungen und herumgelaufen. Das Mitglied des Betreuungsteams habe daraufhin, so der Vorwurf, Tesa-Film über die Beine des Kindes geklebt, um es symbolisch - also nicht tatsächlich, sondern bildhaft - an den Platz zu "heften".

Die Polizei ermittelt in der Angelegenheit, wobei fraglich ist, ob so ein Vorgehen strafrechtlich relevant ist. "Zum einen ist man sich sicher, dass es sich um eine einmalige Geschichte handelt. Zum zweiten ist es nicht so, dass das Kind am Aufstehen gehindert worden wäre", erklärt Polizei-Sprecher Achim Jaspers. Der Klebestreifen sei nur auf die Beine des Kindes geklebt, also nicht am Stuhl fixiert worden. Die Kleine habe sich jederzeit frei bewegen können. Auch war die Situation wohl rasch wieder vorbei: "Das Mädchen ist schnell in Tränen ausgebrochen, da ist das Band sofort entfernt und das Mädchen getröstet worden", fasst Jaspers zusammen.

Die Trägergesellschaft der Kita ist die Lebenshilfe Gelderland. Deren Geschäftsführer Günter Voß will das kritisierte Handeln keinesfalls gutheißen. "Das wird von allen als dumm eingestuft, als pädagogisch nicht wertvoll", betont er. Ein erzieherischer Fehler, eine aus dem Ruder gelaufene Alltagssituation. Allerdings, wendet er ein, sei das ein Fehler gewesen, auf den ein weniger sensibles Kind womöglich völlig unaufgeregt reagiert hätte.

Wie dem auch sei: Für das betroffene Mädchen war die Situation schlimm. Seine Eltern beschwerten sich deshalb auch in der Kita. Zugleich wurde das Landesjugendamt in Kenntnis gesetzt - unter welchen Umständen das geschah, darüber schweigen sich alle Stellen aus. Womöglich ging die Initiative von Dritten aus.

Klar ist nur, dass der Fall dabei deutlich dramatischer geschildert wurde. So gingen die Verantwortlichen zunächst davon aus, dass das Kind tatsächlich am Stuhl "festgeklebt" worden sei. Und in der Folge waren es Vertreter der Lebenshilfe selbst, die Anzeige bei der Polizei erstatteten.

Ein Schritt, den die Polizei ausdrücklich lobt. Die Trägergesellschaft habe "gar nicht erst versucht, etwas zu deckeln oder kleinzuhalten", so Polizeisprecher Jaspers.

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Es sei für die Ermittlungen von Vorteil, wenn nichts im Bereich der Gerüchteküche bleibe. Auch, wenn sich ein Fall später entschärft darstelle.

Das Landesjugendamt betont, man nehme die Untersuchung äußerst ernst: "Maßnahmen wurden vereinbart und Fristen dafür festgelegt." Was für "Maßnahmen" und "Fristen" konkret gemeint sind, verrät die Behörde aber nicht.

Lebenshilfe-Chef Günter Voß sagt, es sei noch offen, wie es in der Kita und mit der Betreuungskraft weitergeht. Der Elternrat habe sich hinter das Personal gestellt: "Die sagen, was soll das alles eigentlich?" Das Gremium wünsche, dass die vorläufige Freistellung aufgehoben wird. "Aber ich muss in Abstimmung mit dem Landesjugendamt handeln", erklärt Voß und kündigt an: "Wir werden darüber weiter beraten und zeitnah eine Entscheidung treffen, gemeinsam mit allen Beteiligten."

Die Eltern des betroffenen Kindes sind damit wohl nicht gemeint. Sie seien über die hohen Wellen, die der Fall schlug, zwar erschrocken gewesen, so Günter Voß. Allerdings beschreibt er das Verhältnis unter dem Strich als zerrüttet. "Die Familie wird nicht in der Kita bleiben."

Ein Kontakt der RP zu der vorläufig freigestellten pädagogischen Kraft selbst ließ sich nicht herstellen.

(RP)