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Wirbel um Wohnquartier Wimmersberg in Alt-Erkrath

Erkrath : Wirbel um Wohnquartier Wimmersberg

Nach Kritik von Bürgern am Vorgehen des Investors Catella haben BmU und Grüne gemeinsam ein Werkstattverfahren für mehr Transparenz beantragt. CDU und SPD äußern Bedenken.

Wimmersberg-Anwohner Michael Laferi bezweifelt schon seit längerem, dass es dem Investor, der dort ein modernes Wohnquartier planen und bauen soll, wirklich Ernst ist mit der Bürgerbeteiligung, die er sich auf die Fahnen schreibt. Diese Skepsis hat er jetzt noch einmal bei einer Anhörung im Planungsausschuss unterstrichen.

„Die Bürger-Äußerungen bei den bisherigen Informationsveranstaltungen von Catella sind nicht protokolliert worden. Das gehört aber dazu. Wie sollen wir sonst nachvollziehen können, welche Anregungen tatsächlich in das Bauprojekt einfließen und welche nicht“, kritisierte Laferi, der selbst 30 Jahre lang als Stadtplaner bei der Düsseldorfer Stadtverwaltung gearbeitet hat.

Er bemängelte zudem, dass das gesamte Projekt keinen für die Bürger nachvollziehbaren Fahrplan habe und daher bereits „ein halbes Jahr ohne Ergebnisse verplempert“ worden sei. Dass aus der Vorgehensweise des Investors – er will aus sechs Architektenentwürfen, die allerdings noch vor Ermittlung der städtebaulichen Rahmenbedingungen durch Gutachter entstanden sind, die jeweils besten Aspekte herausziehen – am Ende etwas von städtebaulich hoher Qualität entsteht, stellte Laferi ebenfalls infrage, und erinnerte an die Planungshoheit der Stadt. Er hofft nun darauf, dass die Politik den gemeinsamen Antrag von BmU und Grünen stützt, der (auf Kosten des Investors) ein kooperatives Werkstattverfahren für mehr Transparenz bei der Planung des Wohnquartiers Wimmersberg durch ein unabhängiges Büro einfordert – dafür gab es Applaus von mehreren Wimmersberg-Anwohnern unter den Ausschuss-Besuchern.

Bernhard Osterwind (BmU) erläuterte die Hintergründe: „Im Moment ist da keiner, der sich das Ganze von außen anschaut. Mit unserem Antrag wollen wir ein Qualitätsverfahren auf die Schiene setzen. Bei Posemarré haben wir damit gute Erfahrungen gemacht.“ Zuvor hatte Peter Knitsch von den Grünen auf unterschiedliche Interessen von Stadt und Catella Project Management verwiesen: „Der Investor will eine möglichst hohe Rendite erwirtschaften. Man kann ihm das gar nicht vorwerfen, denn das ist ja sein Job. Aber wir als Stadt wollen eine anspruchsvolle Planung und können dem Investor nicht einfach freie Hand lassen. So wie es jetzt läuft, ist das kein transparentes Verfahren.“

Wilfried Schmidt (CDU) war anderer Ansicht: „Wir können es uns nicht leisten, durch zu viele Regelungen noch mehr Zeit zu verlieren. Wir sollten dem Investor nicht zu viele Ketten anlegen, sondern ihm Freiheiten lassen, damit er auch Spaß an dem Projekt hat.“ Auch Rolf Steuber (FDP) befürchtet Zeitverlust und die Verteuerung des neuen Wohnraums am Wimmersberg, wenn der Investor ein zusätzliches Managementbüro bezahlen muss. Es mangele dem Projekt auch nicht an Transparenz, meinte Steuber. Peter Knitsch (Grüne) warf Schmidt und Steuber daraufhin vor, ihre Rolle als Vertreter der Bürger nicht wahrzunehmen.

Uli Schimschock von der SPD war ebenfalls nicht von dem beantragten Werkstattverfahren überzeugt: „Wir wollen keinen Sand in das Getriebe eines laufenden Verfahrens streuen. Wenn es an den Plänen von Catella etwas gibt, was uns Politikern nicht gefällt, dann wird das ohnehin nicht umgesetzt.“ Am Ende einigte sich die Politik darauf, über den Antrag von Grünen und BmU erst in der Ratssitzung am 11. Juli entscheiden zu wollen. Wie Bernhard Osterwind (BmU) berichtete, hat seine Partei ein Schreiben des Investors mit der Bitte um ein Gespräch bekommen. Osterwind lehnt dies allerdings im Sinne der Transparenz ab. Der städtische Beigeordnete Fabian Schmidt betonte, dass die Stadt davon abrate, mit einem Investor etwas hinter verschlossenen Türen abzustimmen.

Der Düsseldorfer Projektentwickler Catella soll das ehemalige Gewerbegebiet im Herzen von Alt-Erkrath (7,5 Hektar) in eine Siedlung mit etwa 130 Wohneinheiten inklusive geförderter, günstiger Wohnungen umwandeln. Die Stadt verspricht sich einen Attraktivitätsgewinn, der auch Neubürger anlocken soll.