Duisburg: Musik: Emotionen sind mehr als elektrischer Hautwiderstand

Duisburg: Musik: Emotionen sind mehr als elektrischer Hautwiderstand

Die international renommierte Sopranistin Alexandra von der Weth hat eine hochspannende, interdisziplinäre Dialog- und Konzertreihe kreiert, die derzeit an verschiedenen Orten des Niederrheins gastiert. In Gesprächskonzerten beleuchtet sie zusammen mit namhaften Diskutanten aus den Bereichen Kunst, Kultur und Wissenschaft das Verhältnis von Musik und Psyche. Das vorletzte Gesprächskonzert dieser Reihe fand am Donnerstagabend bei "EarPort" im Duisburger Innenhafen statt und war zugleich Auftakt für das dortige "EarFest 2016", das mit Konzerten heute (19.30 Uhr) und morgen (18 Uhr) aber schon wieder zu Ende geht.

Parallel dazu wurde die Ausstellung "Licht und Finsternis - Hommage an Giuseppe Ungaretti" mit Gemälden und Zeichnungen des Malers Martin Goppelsröder eröffnet. "Wirkung der Musik auf Körper und Seele" lautete die Überschrift für das dritte "Musik und Psyche"-Gesprächskonzert, bei dem Dr. Christoph Seibert vom Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main und Kunsu Shim, Komponist und Performance-Künstler aus Duisburg, die Gäste von der Weths waren.

Dazu gab es Musikbeiträge von Kompositionen George Crumbs, Bernd Preinfalks, Giacinto Scelsi, Robert Schumanns, Kunsu Shims und Gerhard Stäblers, vorgetragen in vier Musikblöcken von Alexandra von der Weth (Gesang), Roland Techet (Klavier) und Anja Schröder (Violoncello). Was macht Musik mit uns? Gibt es Universalien in der Wahrnehmung von Musik? Wie wirkt sie sich auf unsere geistigen Fähigkeiten, unsere Seelenzustände und unsere soziale Kompetenz aus? Das waren drei von vielen Fragen, die von der Weth geschickt und humorvoll formulierend und dazu klug zuordnend an ihre beiden Diskutanten richtete. Für Shim gestaltet sich Musik auf zwei Ebenen, nämlich auf der des Rezipienten und der des Komponisten. "Musik hören", sagt er, "ist für mich nicht allein nur Hörgenuss, sondern mehr noch eine Empfindungsfrage." "Und", fügt er selbstredend hinzu: "Neue Musik verlangt vom Zuhörer nicht mehr, als wie bei der klassischen Musik." Auch Seifert sieht Musik in zweierlei Hinsicht: "Zum einen drückt die Musik selbst Emotionen aus, zum anderen löst Musik beim Zuhörer Emotionen aus. Beide Gefühlslagen können bei ein und derselben Musik aber auch ganz unterschiedlich sein." Die emotionale Wirkung von Musik, so Seifert weiter, würde in der Wissenschaft häufig mit Hilfe physiologischer Messungen durchgeführt. Überwiegend würde dazu der elektrische Hautwiderstand erfasst. Doch der Ausschlag, der auf diese Art und Weise gemessen würde, zeige lediglich die Quantität des Gefühls an, nicht aber die Qualität. So könne der Grund einer hohen Erregung sowohl Freude als auch Angst bedeuten.

(RP)
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