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Duisburg: Die Polizei kann nicht ständig mitfahren

Duisburg : Die Polizei kann nicht ständig mitfahren

Spucken, beleidigen, bedrohen und Türen eintreten: Die DVG hat immer mehr Probleme mit Fahrgästen, sich daneben benehmen. Deshalb erstattet sie nun konsequent Anzeige.

In der Belegschaft der Duisburger Verkehrsbetriebe und auch bei der Konzernleitung und im Aufsichtsrat ist das Thema nicht neu, auch wenn vergleichsweise wenig an die Öffentlichkeit gelangt: Vor allem die Straßenbahnfahrer, die auf der Linie 901 von Obermarxloh durch den Stadtnorden in Richtung Innenstadt fahren, werden besonders gefordert und haben oft ein ungutes Gefühl, zumal dann, wenn sie nachts arbeiten müssen.

Denn immer mehr Fahrgäste benehmen sich massiv daneben, beschimpfen, bespucken und beleidigen andere in der Bahn, bedrohen den Fahrer und lassen mit ihrer Aggressivität keinen Zweifel daran, dass sie auch zum Zuschlagen bereit sind. Nicht ohne Grund lässt die DVG ihr Sicherheitspersonal in den Bahnen mitfahren (nicht nur im Stadtnorden, sondern auch in anderen Stadtteilen wie Hochfeld). Zudem mischen sich im Rahmen der Ordnungspartnerschaft zeitweise Polizeibeamte in Zivil unter die Fahrgäste, um im Bedarfsfall sofort reagieren zu können.

"Ich habe Angst, etwas zu sagen", meint ein DVG-Bahnfahrer, der schon mehrfach "Opfer" eines ganz besonderen "Sports" geworden ist: Kurz vor der Abfahrt reißt ein Fahrgast die bereits geschlossenen Türen mit Gewalt auf und sprintet davon. Oder: Ein Passant nutzt den Halt der Straßenbahn - zum Beispiel wegen einer roten Ampel -, um eine Türe von außen aufzutreten und einzusteigen. Oder: Kinder spielen so dicht an den Gleisen, dass der Fahrer bremsen muss. Steigt er aus, rennen die Kinder davon und kommen mit erwachsener Begleitung zurück, die sich dann drohend vor dem Fahrer aufbaut und ihm Prügel androht. Oder: Auf die Gleise wird Müll gekippt, den der Fahrer entsorgen muss, damit kein Unglück passiert. Kommt so etwa spätabends oder nachts vor, muss der Mitarbeiter auch noch damit rechnen, verprügelt zu werden.

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Abgesehen davon sorgen die erzwungen Stopps jedes Mal für Verspätungen. Die Fahrgäste in den Bahnen sind dann sauer, weil es nicht weitergeht. Und die Wartenden an den Haltstellen ärgern sich, weil die Bahn nicht pünktlich kommt. Richten die "Türenauftreter" einen so großen Schaden an, dass die Bahn später in die Werkstatt muss, wird das Problem der DVG, die schon heute zu wenig einsatzbereite Schienenfahrzeuge hat, noch größer.

Der Duisburger Verkehrsbetrieb geht längst konsequent gegen diejenigen vor, die mit dem Türenaufreißen gefährlich in den Straßenverkehr eingreifen. Werden sie erwischt, erhalten sie eine Anzeige. Allein in den vergangenen fünf Wochen war das 130 Mal der Fall - Tendenz steigend.

Nur zu gerne würde die DVG auf den "gefährdeten" Linien ständig Sicherheitspersonal einsetzen. Doch dazu fehlt das Geld. Auch die Polizei kann nicht immer mitfahren, denn dafür ist sie personell gar nicht ausgerüstet. Zudem gehört diese Begleitung nicht zu ihren originären Aufgaben. Immerhin führt die Videoüberwachung in den Fahrzeugen der DVG dazu, dass etliche der Täter gefilmt werden und die Polizei aufgrund der Aufnahmen nach ihnen fahnden kann.

(RP)