Duisburg: Lebensmittel teilen statt wegwerfen

Duisburg : Lebensmittel teilen statt wegwerfen

Noch immer landen viele eigentlich noch essbare Lebensmittel auf dem Müll, etwa weil die Händler sie als nicht mehr verkäuflich einstufen. Ein Projekt an der Uni will solche Lebensmittel jetzt "retten" und kostenlos an den Mann bringen.

Wer kennt das nicht: Der Apfel hat schon ein paar braune Stellen, der Salat ist leicht angewelkt oder das Haltbarkeitsdatum des Joghurts bereits überschritten - und schon landet ein an sich noch genießbares Lebensmittel auf dem Müll. Rund 80 Kilo Lebensmittel wirft jeder von uns im Schnitt pro Jahr weg, und das, obwohl vieles davon eigentlich noch essbar wäre. Der AStA (Allgemeiner Studierenden-Ausschuss) der Uni Duisburg hat jetzt die Initiative "Fair-Teiler" gestartet, die solche Lebensmittel vor der Vernichtung "retten" und kostenlos an Menschen verteilen will, die diese noch gebrauchen können.

"Am Freitag hatten wir eine große Menge Bananen, die in einem Supermarkt übrig waren, bekommen. Die hatten ein paar braune Stellen und die hätten die sonst weggeworfen. Zuerst hatten wir Sorgen, dass uns die Bananen übers Wochenende hier vergammeln könnten, weil in den Semesterferien ja weniger Studenten an der Uni sind. Aber als wir am Montag wiederkamen, war gerade mal noch ein Bund Bananen da", fasst Marcus Lamprecht, AStA-Referent für Ökologie und Mobilität die große Nachfrage in einem Beispiel zusammen.

Doch nicht nur Studenten steht der Fair-Teiler an der Uni offen. Willkommen ist jeder, der etwas von den Lebensmitteln haben möchte oder auch selbst Lebensmittel weitergeben will, denn die Hochschule steht allen offen. Das kann von Obst und Gemüse über Schokolade und Salatsoßen bis hin zu Pulver zum Selbermachen von Eis reichen - vieles ist möglich, und das Angebot ändert sich von Tag zu Tag. "Wir hatten hier zum Beispiel auch schon Gläser mit selbst gemachter Marmelade, die gingen auch ganz schnell weg", berichtet er. Lediglich schnell verderbliche Lebensmittel seien nicht gewünscht. Auch Markthändler gäben häufig ihre überzählige Ware an den Fair-Teiler: "Die bekommen am nächsten Tag ja schon wieder neue, frische Ware. Die Salate vom Vortag zum Beispiel sind dann schon unverkäuflich und würden sonst weggeworfen", erklärt Lamprecht.

Einmal am Tag werden sowohl das Regal als auch der Kühlschrank mit Gefrierfach der Fair-Teilers kontrolliert und gereinigt, und dies auch auf einer Liste im Aushang dokumentiert. Auch ein Aushang, der die Spielregeln der Fair-Teilers und die korrekten Lagerorte von Lebensmitteln im Kühlschrank aufzeigt, ist für alle gut sichtbar zu finden.

Auch Lebensmittel, deren Verfallsdatum bereits abgelaufen ist, sind willkommen. "Die Märkte werfen solche Lebensmittel dann auf den Müll, auch wenn das, wie etwa bei Nudeln oder oftmals sogar bei Joghurt, völliger Unsinn ist. Und die Tafeln dürfen abgelaufene Lebensmittel auch nicht mehr verteilen. Da ist es doch schön, wenn wir die dann noch retten und weiter verteilen können", erläutert Lamprecht. Die Gefahr, dass der Fair-Teiler eine Konkurrenz zu den Caféterien und Mensen der Uni darstellen könnte, sieht Lamprecht nicht: "Wir verteilen hier ja keine fertigen Mahlzeiten." Aber wenn man als Student vergessen habe, etwas zu essen mitzunehmen, dann könne man im Fair-Teiler schon mal das eine oder andere Stück Obst als Zwischenmahlzeit mitnehmen.

Das Kurioseste, was bis jetzt in dem Duisburger Foodsharing-Regal zu finden war, seien rund 30 Marzipanschweinchen gewesen. "Keiner wusste so genau, wo die plötzlich hergekommen waren. Die hatten noch nichtmal das Verfallsdatum überschritten. Und die waren auch im Handumdrehen weg", so Lamprecht.

(RP)
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