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Duisburg: Im Keller der Alten Universität

Duisburg : Im Keller der Alten Universität

Bei den Ausgrabungen für das "Stadtfenster", das demnächst Bibliothek und VHS beherbergen soll, stießen die Archäologen auf Kellerräume, die einst zu einer Klosteranlage und später zur Alten Duisburger Universität gehörten.

Die Universitätsstraße in der Duisburger Innenstadt hat ihren Namen nicht ohne Grund: Schließlich befanden sich hier, und nicht wie nun in Neudorf, die Gebäude der Alten Universität Duisburg, die 1655 eröffnet wurde und bis 1818 Bestand hatte. Bekanntlich soll in genau diesem Areal, abgesteckt durch die Münzstraße, die Steinsche Gasse, die Beekstraße und eben die Universitätsstraße das neue Stadtfenster gebaut werden. Hier sollen Zentralbibliothek und Volkshochschule in einem Gebäudekomplex untergebracht werden.

Bei den archäologischen Ausgrabungsarbeiten, die nach dem Abriss des ehemaligen Boecker-Kaufhauses erfolgten, wurden die Fachleute fündig. Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz sagte es gestern im Pressegespräch kurz und knapp: "Die Grabungsergebnisse übertreffen alle Erwartungen!"

Niemand habe damit gerechnet, so Platz, dass man auf jene komplett erhaltene mittelalterliche Kellerebene aus dem 13./ 14. Jahrhundert stoßen würde, die man zurzeit betreten kann. Man geht also auf den originalen rund 700 Jahre alten Ziegeln. Das ist in Platz' Augen nichts Geringeres als eine Sensation, denn im 19. Jahrhundert, nach Auflösung der Alten Duisburger Universität, wurde das Gelände neu bebaut. Man habe damit rechnen müssen, dass die alten Kellergemäuer im Zuge dieser Baumaßnahme zerstört wurden. Dem ist aber nicht so.

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Deshalb kann man nun ein höchst interessantes Stück städtischer Baugeschichte nachvollziehen. Die erste Duisburger Universität wurde nämlich in den Gebäuden einer kosterähnlichen Anlage aus dem 13. Jahrhundert errichtet, in einem so genannten Katharinenhof, wo Frauen zusammenlebten, die zwar keine Ordensschwestern waren, aber nach Leitlinien des Franziskaner-Ordens lebten. Die Professoren lebten und lehrten also in den ehemaligen Räumen des "weltlichen Klosters", auch "Dritter Orden" genannt. Aus der alten Klosterkirche wurde übrigens das Auditorium maximum der Alten Universität. Bezüge zur Gegenwart, wo aus einer Kirche beispielsweise ein Caritaszentrum wird, liegen auf der Hand.

Archäologisch erschlossen sind konkret die Überreste des "Großen Ordenshauses" und zwei weitere Gebäude, die auch auf dem Corputius-Stadtplan von 1566 dargestellt, aber auf dem Katasterplan von 1823 bereits verschwunden waren. Der älteste Baukörper, der jetzt entdeckt wurde, besteht aus kleinteiligen, in Lehm gebundenen Bruchsteinen. Dieser kleine Raum aus dem 10. oder 11. Jahrhundert wurde vermutlich später in den Katharinenhof integriert.

(RP)