1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Eine theatrale Einladung zum Fremdsein

Duisburg : Eine theatrale Einladung zum Fremdsein

Es beginnt schon recht kurios in der Kassenhalle des Duisburger Theaters. Die Besucher werden eingeteilt nach Kriterien wie "Linkshänder", "Brillenträger" und "Sushi-Esser", verschiedenen Sitzreihen im Foyer III unterm Dach sowie verschiedenen Ländern wie Bolivien, Marokko und Japan zugeteilt.

"52,3° Nord - Eine Einladung zum Fremdsein" heißt dieser Beitrag zum Theatertreffen der 34. Duisburger Akzente "500 Jahre Gerhard Mercator - Vom Suchen und Finden". Der Breitengrad, auf dem Berlin liegt, wird hier natürlich ersetzt durch den von Duisburg: 51,4°. Denn das Theater Strahl Berlin zeigt seine Koproduktion mit der Kompanie Kopfstand aus Zürich und eben dem Theater Duisburg jetzt erstmals in unserer Stadt.

Julia Bihl und Charlotte Baumgart heißen die beiden jungen Schauspielerinnen, die hier auf der Bühne und auch mal im Publikum ebenso charmant wie witzig über das Fremdsein forschen. Da geht es um Schulklassen ebenso wie um die gefühlte Heimat und das Fremdwerden zweier Freundinnen. Zum Interview auf dem roten Sofa werden die Zuschauer Johannes und Anna gebeten, die von einem Dorf bei Gummersbach beziehungsweise von Sydney hierher gezogen sind.

Sushi fürs Publikum

Das ist anfangs zumindest nett, wenn Julia und Lotte fast persönlich dafür sorgen, dass sich das Publikum in diesem "interaktiven Theaterlabor" schon bald nicht mehr allzu fremd fühlt. Auch sie sind ja fremd hier und wollen sich unbedingt mal die Sechs-Seen-Platte oder den Dellpatz anschauen. Tiefe und Fahrt gewinnt der Abend allerdings erst, als sie wirklich in Rollen schlüpfen wie die der Berlinerin Amira, die in die ihr fremde Heimat ihrer Vorfahren im Libanon abgeschoben werden soll.

Am Ende bekamen die Zuschauer übrigens Spezialitäten aus den ihnen jeweils zugeteilten Ländern: eine bolivianische Hochzeits-Zeremonie mit Bonbons, marokkanischem Tee und eben Sushi.

(hod)