Duisburg: Stadtmuseum zeigt exotische Währungen

Eine Geldgeschichte : Stadtmuseum zeigt exotische Währungen

Es ist nicht immer leicht, zwischen Zahlungsmitteln und Kultgegenständen zu unterscheiden.

Im Duisburger Stadtmuseum betreut die stellvertretende Museums-

leiterin Andrea Gropp die Sammlung Köhler-Osbahr. Die gezeigten exotischen „Währungen“ verfügen über einen ästhetischen Reiz – und über spannende Hintergründe. Wir haben mit ihr gesprochen.

Beginnen wir mit der schlichten Frage: Was ist eigentlich Geld?

Andrea Gropp Geld ist etwas, auf das man sich geeinigt hat, also eine Art soziales Konstrukt. Im jeweiligen Geltungsbereich stellt es einen allgemein anerkannten „Wertmesser“ dar. Der Wert konnte sich auch aus dem Herstellungsaufwand ergeben – nicht nur etwas, das selten ist, wie wir oft spontan annehmen.

Der Historiker Harari vertritt die These, dass Menschen Fiktionen geschaffen haben, weil sie unter anderem an Götter, an das Jenseits oder Geld fest glaubten.

Gropp Geld ist tatsächlich eine extrem erfolgreiche Fiktion. Unsere Exponate zeigen, dass jeder Gegenstand als Geld funktionieren kann, wenn die Gruppe an den jeweils zugeschriebenen Wert glaubt. Es hat in vielen Kulturen zudem eine spirituelle oder soziale Dimension, die wir eher nicht mit unserem Geld verbinden.

In Ihrer Ausstellung sind mir ganz exotische Zahlungsmittel aufgefallen, zum Beispiel Eberzähne oder winzige Schnecken, die eine spirituelle Bedeutung haben. Erzählen Sie uns etwas darüber?

Gropp Die gebogenen Eberzähne stammen aus Papua-Neuguinea und mussten aufwändig gezüchtet werden. Dabei waren sie nicht nur im Kontakt mit anderen Menschen wichtig, sondern wurden nach dem Tod auch bei der Wächterin des Jenseits als Bezahlung gebraucht. Die kleinen Schnecken auf den Bambusästchen heißen Tambu und stammen ebenfalls aus der Südsee. Was man davon bis zu seinem Tod angesammelt hatte, wurde bei der Bestattung unter den Verwandten aufgeteilt. Auf diese Weise war man über diese Schnecken mit seinen Ahnen verbunden. Übrigens sind sowohl die Zähne als auch das Tambu bis heute für zeremonielle Zahlungen in Gebrauch!

Stimmt es eigentlich, dass bestimmte Objekte zur Zahlung des „Brautpreises“ oder „Brautkauf“ genutzt wurden?

Gropp Die Deutung als Kaufpreis ist ein wenig irreführend. Die Brautgabe dient eher als Versicherung für die Schwiegertochter oder als Entschädigung für die Familie der Braut. Die Frau wird im Fall einer Scheidung somit materiell abgesichert. Schmuckringe, Schnüre oder andere Formen finden als Brautgabe Verwendung – die Anzahl richtete sich nach der Höhe des sozialen Status der Braut beziehungsweise der Brauteltern.

Haben diese Objekte neben der kulturellen und sozialen Dimension darüber hinaus auch eine Funktion als weltliches Zahlungsmittel?

Gropp Das ist richtig. Schauen Sie sich doch einmal Teeziegel aus Asien oder die prächtigen Manillen (Kupferarmreifen) an. Selbst Mais, Reis und Salzblöcke waren einst beliebte Zahlungsmittel in manchen Ländern. Die Kaurischnecke war über Jahrhunderte hinweg in Asien und in Afrika weit verbreitet. In China erfand man gleichzeitig lange vor den Europäern das Papiergeld.

In China gab es auch eine Art Kerbholz als Beleg für einen bei der Bank eingezahlten Betrag. Zwei solcher Stücke kann man in der Sammlung betrachten. Gab es auch bei uns eine Buchführung mit Kerbstöcken?

Gropp Ja, im 16. Jahrhundert wurden in Duisburg Wirtshausrechnungen in längeren Abständen bezahlt. Das Kerbholz diente dazu, Schulden aufzuzeichnen und abzurechnen. Und zwar wurden in einem längs gespaltenen Holzstab Einkerbungen angebracht. Je eine Hälfte erhielten Gläubiger und Schuldner zur gegenseitigen Kontrolle. Die heutige Redewendung bedeutet „Schulden haben“ und übertragen so viel wie „sich schuldig gemacht haben“.