1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Da flogen die Funken

Duisburg : Da flogen die Funken

Das nächtliche Konzert der Duisburger Philharmoniker im Hochofen im Landschaftspark Nord war der spektakuläre Höhepunkt der Duisburger Veranstaltungen zur diesjährigen "ExtraSchicht - Nacht der Industriekultur".

Angesichts der heftigen Gewitter und Regenschauer über Tag beobachteten die Musiker der Duisburger Philharmoniker am Samstag in Sorge um ihre empfindlichen Instrumente den Himmel. Doch es blieb trocken, und der britische Dirigent Anthony Weeden freute sich über "das wundervolle englische Wetter hier".

Ja, das nächtliche Konzert des Orchesters im Landschaftspark Nord war der Höhepunkt der diesjährigen Duisburger Veranstaltungen zur alljährlichen "ExtraSchicht — Nacht der Industriekultur". Es fand tatsächlich im Hochofen statt, nämlich auf dem so genannten Cowper-Platz an einer etwas abgelegenen Stelle des ehemaligen Hüttenwerks.

Der Ort erscheint wie geschaffen dafür, auch wenn kurz vor Beginn des Konzerts selbst Orchestermitglieder noch verwirrt nach einem Eingang suchten — die etwa 5000 Besucher kamen nur über winzige Zugänge auf das Gelände und wieder herunter, die Fluchtmöglichkeiten im Notfall erschienen begrenzt. Jedenfalls wurde es ein schöner Spätabend in der Tradition der beliebten Open-Air Sommer-Proms-Konzerte der Duisburger Philharmoniker.

  • Duisburg : Ansturm auf Legoland
  • Niederrhein : Extraschicht "in Strömen"
  • Duisburg : Extraschicht "in Strömen"

"Frisches Köpi" uraufgeführt

Das Programm war gut gemischt aus Maschinenmusiken, "großem Kino" und populärer Klassik. Zum Beispiel wurde der kurze Orchester-Reißer "Eisengießerei" (1928) von Alexander Mossolow hier einmal wirklich mitten in einer solchen gespielt. Uraufgeführt wurde das Auftragswerk "Frisches Köpi" des jungen Jazztrompeters Matthias Schriefl: Man hörte exquisite Einfälle und sogar imitierte Klänge einer Bierflasche. Formal blieb das kurze Konzertstück eher beliebig, so dass die Zuhörer schon am vermeintlichen Schlusspunkt applaudierten. Am meisten Beifall bekam die bombastische Titelmusik zum Film "Star Wars" von John Williams, einschließlich der Metro-Goldwyn-Mayer-Fanfare.

Dass der britische Gastdirigent Anthony Weeden aus den meisten Stücken wenig musikalische Funken zu schlagen vermochte, dass anfangs nur die linke der beiden diesmal besonders blechern tönenden Riesen-Boxen zu hören war — geschenkt. Als am Ende Peter Tschaikowskys plakative Ouvertüre "1812" mit einem farbentrunkenen Feuerwerk aufgedonnert wurde, verstummten alle Einwände. Und die Musiker bangten ein weiteres Mal um ihre Instrumente, denn (feurige) Funken flogen sogar bis ins Publikum.

(RP)