Wahlen in der Türkei: Deutschtürken wählen Parlament und Präsidenten in Düsseldorf

Deutschtürken wählen im Konsulat in Düsseldorf : „Bislang läuft alles ruhig“

Rund eine halbe Million Deutschtürken in NRW können seit Donnerstag ihre Stimme für die türkische Präsidentschaftswahl abgeben. Sie könnten den Ausgang der Wahl entscheiden. In Düsseldorf war der Andrang trotzdem eher mäßig.

Der Besucherparkplatz vor dem türkischen Konsulat ist gut gefüllt. Viele Autos haben Kennzeichen aus Duisburg, Neuss, Mülheim oder sogar Siegen. Denn das türkische Generalkonsulat im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt ist auch für viele Deutschtürken vom Niederrhein und aus dem Ruhrgebiet das nächstgelegene. Auf dem Parkplatz steht sogar ein mobiler Toilettenwagen, falls der Andrang so groß wird, dass Wähler länger warten müssen.

Seit Donnerstagmorgen können sich die rund 500.000 Bürger mit türkischem Pass in NRW an den Parlaments- und Präsidentenwahlen in der Türkei beteiligen. In NRW ist eine Stimmabgabe in Düsseldorf, Essen, Köln/Hürth und Münster möglich, organisiert wird sie von den türkischen Generalkonsulaten.

Der große Andrang ist am ersten Tag der Stimmabgabe in Düsseldorf ausgeblieben, sagt ein Polizist, der vor dem Gebäude an der Willstätterstraße Wache schiebt. Das Konsulat wird jeden Tag rund um die Uhr bewacht. „Heute morgen gab es kurz etwas Chaos, als die ankommenden Autos alle gleichzeitig auf den Parkplatz wollten“, sagt der Beamte. „Bis jetzt ist aber alles ruhig.“

Stimmen der Auslandstürken können entscheidend sein

Die Wahlen sind von außerordentlicher Bedeutung. Mit ihnen soll die von Präsident Recep Tayyip Erdogan betriebene Einführung des Präsidialsystems abgeschlossen werden, das den Staatspräsidenten mit deutlich mehr Macht ausstattet. Bei einem knappen Ergebnis könnten die Stimmen der insgesamt gut drei Millionen wahlberechtigten Auslandstürken - sie machen mehr als fünf Prozent aller türkischen Wähler aus - entscheidend sein.

Denn sie sind dem türkischen Präsidenten erfahrungsgemäß mehrheitlich zugeneigt, während in der Türkei die Kritik an Erdogan und seinem restriktiven Regierungsstil zunehmend größer wird. Doch ob die Deutschtürken in Düsseldorf tatsächlich eher auf Erdogans Seite stehen, bleibt unklar. Niemand möchte am Donnerstagmittag mit unserer Redaktion sprechen. Viele können kein oder nur wenig Deutsch. Es sind vor allem ältere Menschen, die um die Mittagszeit zur Wahl kommen. Wer nicht selbst fahren kann, wird in Kleinbussen zum Konsulat gebracht. Ein schwarzer Minivan hält direkt vor dem Konsulat, mehrere ältere Türken - einige am Stock oder im Rollstuhl - steigen aus.

Bis 10.30 Uhr haben knapp 320 Wähler ihre Stimme abgegeben, meldet die Polizei unter Berufung auf das Konsulat. 3500 Leute sollen es am Donnerstag insgesamt noch werden. Das sei für den ersten Tag eher ein mäßiger Andrang. Wegen des Ramadans sei der Zulauf noch nicht so groß, heißt es aus dem Konsulat. Aber am Wochenende werden mehr Wähler erwartet.

Die Deutschtürken können noch bis zum 19. Juni ihre Stimme abgeben - täglich zwischen 9 und 21 Uhr. Sogar am Wochenende haben die Konsulate in dieser Zeit geöffnet.

In der Türkei wird erst am 24. Juni gewählt. Etwa 1,4 Millionen Bürger mit türkischem Pass sind in Deutschland wahlberechtigt, davon lebt etwa ein Drittel in NRW.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Deutschtürken wählen neues türkisches Parlament

(heif)
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