Stadtmitte: Ferien für Samtpfoten und Schmusetiger

Stadtmitte: Ferien für Samtpfoten und Schmusetiger

Miriam Kuhl und ihr Team betreiben seit fünf Jahren an der Wielandstraße ein Katzenhotel. Doch die "Pföchtensitter" und ihre bis zu 50 tierischen Kunden am Tag suchen ein neues Zuhause - vorzugsweise ein Häuschen mit Garten.

Es ist das größte Katzenhotel in Düsseldorf. In acht Räumen finden auf insgesamt 300 Quadratmetern Schmusetiger wie Samtpfoten im Obergeschoss der Lesia-Klinik an der Wielandstraße wahre Wellness-Bedingungen vor. Die Zimmer sind artgerecht mit Kratzbäumen, Kuschelhöhlen und Catwalks auf mehreren Ebenen eingerichtet, es gibt Rückzugsmöglichkeiten und reichlich Spielmaterial. Zweimal am Tag kommt der Room-Service mit hochwertigem Nassfutter, zwischendurch werden dosiert Snacks gereicht. Und das (auch psychologisch) geschulte Personal ist rund um die Uhr für die Katzen da.

Und doch suchen Leiterin Miriam Kuhl und ihr sechsköpfiges Team ein neues Zuhause. "Wir würden uns gerne noch ein bisschen vergrößern, vor allem aber wäre ein Garten schön", erzählt Kuhl. Zwar gibt es an der Wielandstraße einen Balkon mit Wasserfallbrunnen und Katzenminze, "aber das ist eben doch nicht das Gleiche. Den Katzen eine kleine grüne, gesicherte Oase mit Sonnenliegeplätzen und Chancen der Reviererkundung zu bieten, wäre unser Traum", so Kuhl. Die Hürden sind hoch, das weiß sie: Gewerbliche Tierhaltung müsste erlaubt, der Vermieter natürlich ebenso einverstanden und ein Tierarzt in der Nähe sein. "Vielleicht ein Ein-Familien-Häuschen, es müsste nicht unbedingt zentral sein, wir würden auch ins Gewerbegebiet gehen", sagt die Tierliebhaberin, die trotz des Fulltime-Jobs im Hotel noch eigene Katzen in der Wohnung gleich nebenan hat.

Miriam Kuhl verfügt über 15 Jahre Erfahrung in der Katzenbetreuung. Schon als Germanistik-Studentin hat sie immer gerne auf die Katzen von Freunden aufgepasst, später als Journalistin auch über die geliebten Vierbeiner geschrieben, "aber das war mir zu theoretisch, ich wollte die Praxis". Eine Hausbetreuung lief gut an, bis zu 25 Haushalte in der Region wurden angefahren, schnell stellte Kuhl weiteres Personal dafür ein. "Aber inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden: Hieß es früher noch, man solle Katzen auf keinen Fall aus ihrer gewohnten Umgebung herausholen, ist inzwischen die Erkenntnis gereift, dass sie todtraurig sind, wenn sie drei Wochen auf sich allein gestellt sind", berichtet die Fachfrau. Ein soziales Umfeld, wie der Hotelbetrieb es bietet, hat sich als die bessere Alternative erwiesen, wenn der Halter im Urlaub oder auf Dienstreise ist. Die Kosten: 22 Euro pro Tag - all inclusive versteht sich.

Als zweites Standbein für die Pfötchensitter hat sich der Schulungs- und Seminarbereich herauskristallisiert. Fortbildungen für Tierarzthelferinnen oder Mitarbeiter im Tierheim, Medikamentenschulungen, Erste-Hilfe-Kurse und Futterberatung, dazu Workshops wie "Die glückliche Katze - Wohnungshaltung mit Köpfchen" finden stets Interessenten.

Ein reibungsloser Hotelbetrieb kann nur funktionieren, wenn auch beim Personal die Chemie stimmt. "Das ist bei uns auf jeden Fall so", betont Miriam Kuhl, und Kollegin Ulli Walter stimmt zu: "Ich habe vor zwei Jahren einen Nebenjob gesucht, mein erster Tag hier war eine einzige Katastrophe, alles ist schiefgegangen. Aber ich bin geblieben - und liebe die Beschäftigung mit Katzen heute über alles."

(arc)