Stadtmitte/Flingern: Eine kleine Freude in einer schweren Zeit

Stadtmitte/Flingern: Eine kleine Freude in einer schweren Zeit

Lisa Marie Kröll hat gestern 114 Weihnachtstüten mit Sachspenden an Drogenabhängige ausgegeben.

Es mag die Not, in der sich Drogenabhängige und Obdachlose befinden, nicht nachhaltig lindern, aber es ist zur Weihnachtszeit eine kleine Geste mit großer Wirkung. Lisa Marie Kröll hat Sachspenden gesammelt, in ihrer Heimatstadt Kleve und in Düsseldorf, und damit 114 Weihnachtstüten gepackt. Diese hat sie gestern im Mobilé, dem Anlaufpunkt von Flingern mobil an der Charlottenstraße, an Drogenabhängige und Obdachlose ausgegeben. Duschgel und Deo, Socken, Binden und Zahnpasta, Hunde- oder Katzenfutter, Trinkpäckchen und ganz viel Süßigkeiten waren in den Tüten. Dazu gab's Zigaretten, einzeln, die ebenfalls gespendet wurden. "Ich habe hier während meines Praxis-Semesters große Wertschätzung erfahren", sagt die Studentin der sozialen Arbeit, die bei Flingern mobil als Honorarkraft arbeitet. "Ich wollte gerade jetzt etwas davon zurückgeben", so die 21-Jährige.

Flingern mobil gewährt Hilfe da, wo sie dringend gebraucht wird. Und das ist in diesem Fall direkt auf der Straße. Die "Platte" am Hauptbahnhof oder auch in Holthausen wird dafür aufgesucht. "Wir leisten niedrigschwellige Überlebenshilfe", erklärt Marvin Wirringa, der kommissarisch den Bereich Streetworking bei dem Verein leitet. Was in Flingern vor 20 Jahren begann, hat sich inzwischen mit 300 Mitarbeitern auf die gesamte Stadt ausgedehnt. Im Mobilé können die "Klienten" zwei Stunden zur Ruhe kommen, erhalten einen Kaffee, etwas zu essen oder auch sauberes Spritzenbesteck. "Es ist für sie ein Rückzugsort ohne Kontrollinstanz. Wir begegnen uns alle auf Augenhöhe und quasseln niemanden zu," hebt Wirringa hervor. Mehr als 20.000 Kontakte gab es in diesem Jahr im Mobilé, "wobei viele bei uns natürlich zum Stammklientel zählen", betont der Streetworker.

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Das hat auch Lisa Marie Kröll so fasziniert, deswegen fühlt sich die Studentin in dem noch sehr jungen Team sehr wohl. "Alles, was ich mache, geschieht mit Herz und Leidenschaft", beteuert sie. Und daher hat sie nicht nur jede der Weihnachtstüten, sondern auch jeden der darin enthaltenen Beutel mit Süßigkeiten mit viel Geduld bestückt.

Im Vorjahr hat sie die Sammelaktion zum ersten Mal durchgeführt, "da kamen schon 100 Tüten zusammen. Ich bin überwältigt von der großen Spendenbereitschaft der Menschen und hoffe, dass diese Aktion auch fortgeführt wird, wenn ich dann irgendwann mal nicht mehr hier bin". Denn die fast schon schüchterne Dankbarkeit der Betroffenen sei unbezahlbar.

(arc)