Derendorf : Kunst im Verkaufsraum

Jens Jacubeit hat das traditionsreiche Geschäft Farben Fiedler an der Münsterstraße übernommen. Dort bietet er neben Farben, Lacken, Tapeten und Bodenbelägen jetzt auch Gemälde und Kunstobjekte an.

Es ist eines der letzten Fachgeschäfte für Farben, Lacke, Tapeten und Bodenbeläge, das es in Düsseldorf noch gibt, das Geschäft Farben Fiedler an der Münsterstraße. Kurz nach dem Krieg war es von den beiden Brüdern Fritz und Kurt Fiedler begründet worden. Zunächst als Drogerie, in der noch die ein oder andere Creme oder Salbe selbst angerührt wurde. Dann wurde es als Fachgeschäft für Farben und Lacke weitergeführt, als die großen Drogerie-Ketten die kleinen Läden zunehmend verdrängten.

Wahrscheinlich bestünde das Geschäft an der Münsterstraße inzwischen auch nicht mehr, angesichts der erdrückenden Konkurrenz der Baumärkte. Wäre nicht vor kurzem Jens Jacubeit (43) dort eingestiegen. Der vormalige Mitarbeiter der Marketing-Abteilung der Warsteiner-Brauerei hatte eigentlich mit Farben, Böden und Tapeten gar nichts am Hut. Doch wollte der gebürtige Düsseldorfer gern wieder zurück in seine Heimatstadt und aus seiner Fern- wieder eine Nah-Ehe machen. Weil er zufällig mit einem der Söhne der Fiedlers befreundet ist und die wiederum keinerlei Ambitionen zeigten, den elterlichen Betreib weiter zu führen, entschloss sich Jacubeit, den Laden zu übernehmen. "Das war eine neue, reizvolle Aufgabe für mich."

Crash-Kursus absolviert

Mit Seminaren und Workshops über die Branche wuchs er allmählich in das Metier hinein. Und vor allem durch die Tatsache, dass er seit einem Jahr bereits hinter der Ladentheke stand. "Da habe ich so eine Art Crash-Kursus in Sachen Farben und Lacke, Tapeten und Teppiche durchlaufen", berichtet er. Das Geschäft hat er nach der Übernahme renoviert, wobei auch einige alte Drogistenschränke wieder zu neuen Ehren kamen. Aber Jacubeit hat auch seine Marketing-Erfahrung in seinen ersten eigenen Laden einfließen lassen. Und eine neue Geschäftsidee ersonnen. So bietet er neuerdings auch Kunst fürs Eigenheim an. Dazu nutzt er die Galerie des Ladenlokals gleichsam als Ausstellungsfläche für Künstler.

Die erste Künstlerin, die bei ihm Werke ausstellt, ist Sigrid van Sierenberg, Mitglied des Künstlervereins Malkasten. Somit wird das traditionelle Farbengeschäft Standort für eine sehr farbenfrohe ausdrucksstarke Kunst. Die in Öl-/Acryltechnik entstandenen Werke von van Sierenberg sind allesamt käuflich erhältlich. Die ungewöhnliche Kombination macht nach Meinung von Jacubeit Sinn: "Wir bieten nicht nur Renovierung und Wohnraumgestaltung an. Wir machen auch Vorschläge, wie die heimischen Wände gestaltet werden können." Ein solches Ladenkonzept gibt es laut Jacubeit sonst nicht in der Stadt. "Dieser Kunststandort ist zwar ungewöhnlich, aber trotzdem passend, weil das übergreifende Thema die Farben sind."

(RP)