1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Stadtteile

Unterbach: Eine jecke Familiengeschichte

Unterbach : Eine jecke Familiengeschichte

Vor 55 Jahren zog der erste Karnevalszug der Unterbacher Jecken. Zum närrischen Jubiläum ist eine Festschrift erschienen, die die Liebe der Unterbacher zum Karneval dokumentiert.

55 Jahre Karneval der Neuzeit, das ist dem Unterbacher Karnevalsausschuss (KA) schon eine Festschrift wert. Tatsächlich handelt es sich bei der 84seitigen, reich bebilderten und aufwändig hergestellten Chronik um eine ganz besondere Familiensaga. Stolz sind die Unterbacher auf ihren Karneval. Einer der vielen Gründe ist, dass der KA mit fast allen Vereinen in diesem alten Düsseldorfer Stadtteil eng vernetzt ist. KA-Mitglieder sind gleichzeitig im Heimatverein, bei den Rösigen Penn, im Liederkranz, Im Kirchenchor, beim SC Unterbach usw. Jeder kennt jeden oder kennt welche, die jeden kennen.

Mit ihrer Festschrift "Karneval von 1957 – 2011" wollen die Karnevalsfreunde deutlich machen, dass der Frohsinn zur 5. Jahreszeit zwar zentraler Auftrag ist. Aber die Fürsorge für Unterbach als "Dorfgemeinschaft" ist den KA-Mitgliedern mindestens genau so wichtig. Angefangen hat es 1957, als ein Freundschaftsspiel der Sportler des SC Unterbach gegen die Männer der Freiwilligen Feuerwehr organisiert wurde. Die Fußballer spielten in weißen Nachthemden, die Feuerwehr-Männer in ihren Uniformen mit Spritze. Übrigens wurde das Spiel schon damals auf dem Sportplatz in Unterfeldhaus ausgerichtet.

Mit sozialem Zweck

Das Spiel muss so komisch gewesen sein, dass es als die Geburtsstunde des neuzeitlichen Karnevals angesehen wird. Alle waren da. Wer nicht spiele, schaute zu. Gesammelt wurde für einen Gedenkstein für die im Krieg getöteten Sportler –also von Anfang an ein Freudenfest mit gemeinnützigem und sozialem Hintergrund. Die verkleideten Sportler organisierten den ersten Umzug und sind die Urzelle des heutigen Karnevalsausschusses.

Aber schon im 19. Jahrhundert wurden in Unterbach Karnevalsumzüge organisiert. Die geschichtlichen Belege sind jedoch eher dürftig. In den 1870er Jahren wurde ein Umzug erwähnt, auch vor dem 1. Weltkrieg. 1936 wurde der Humoristen-Verein verboten. Und darum bleibt man lieber beim Datum 1957. Und was danach passierte, wissen die Verantwortlichen des Karnevals genau. In vielen, meist bunten Fotos werden Prinzenpaare, Jugend-Elferräte, Tanzgarden und Kinderprinzenpaare aus jedem Jahr gezeigt.

Und was passiert 2012? Die wichtige Frage – Wer wird neuer Prinz? – ist noch Geheimnis. Das werde zur gegebenen Zeit bekanntgegeben, sagen die Verantwortlichen würdevoll. Mit den Düsseldorfer Gepflogenheiten wollen sie nicht verglichen werden. Schließlich dürfen sie "auf ewig" ihren eigenen Prinzen küren. Das haben sie schriftlich.

(RP)