Flingern: Indianer hinterlassen Schlachtfeld

Flingern: Indianer hinterlassen Schlachtfeld

Nachdem das Landgericht die Räumungsklage gegen die Yellowstone-Indianer bestätigt hatte, war gestern der Übergabetermin auf dem Sportgelände des ESV Blau-Weiss. Die Vereinsmitglieder fanden ein einziges Chaos vor.

Das Fort auf dem Vereinsgelände des ESV Blau-Weiss am Flinger Broich war einst der Stolz der Yellowstone-Indianer. Jetzt liegt es in Trümmern. Jahrelang trugen der Eisenbahnersportverein als Vermieter und die Hobby-Rothäute einen erbitterten Rechtsstreit vor Gericht aus, letztlich gab das Landgericht der Räumungsklage gegen den Untermieter statt. Dem Häuptling wurde eine Frist bis gestern eingeräumt, das Gelände und auch das Vereinshaus zu räumen und "besenrein" zu übergeben. Der hat das Problem nun offensichtlich auf seine Art aus der Welt geschafft.

"Er ist von Anwohnern gesehen worden, wie er am Montag einmal mit dem Bagger alles plattgewalzt hat, ein paar Sachen in einen Transporter verstaute und schließlich verschwunden ist", berichtet Sabine Willems, die Vorsitzende des ESV. Farben und undefinierbare Chemikalien stehen offen herum, aus dem Vereinshaus wurden die Türen herausgestemmt, ein Blick ins Innere verrät, dass hier eine normale Renovierung nicht ausreicht: überall Scherben, der Boden ist teilweise herausgerissen, riesige Pfützen erwecken den Eindruck einer Seenplatte, die sanitären Anlagen wurden zerstört. "Der Vorsitzende der Yellowstone-Indianer hat angekündigt, dem Verein den größt möglichen Schaden zuzufügen, das hat er jetzt umgesetzt", sagt Willems. Gesten hat der Verein Anzeige bei der Polizei erstattet.

Nun obliegt es allerdings zunächst den Blau-Weissen, das hinterlassene Schlachtfeld, das unmittelbar bis zum Fußballplatz heranreicht, zu sichern, da muss wohl schon ein richtiger Bauzaun her. "Einfach wegräumen dürfen wir das alles nicht, es bleibt ja sein Eigentum", erklärt Willems. Sie stellt sich auf einen weiteren Rechtsstreit ein, rechnet mittelfristig aber damit, dass es am Verein hängenbleibt, den Schutt zu beseitigen. "Außerdem ist es fraglich, ob das Vereinsgebäude bei den großen Schäden überhaupt noch zu erhalten ist. Und da es keine offizielle Übergabe gab, dürfen wir eigentlich auch gar nicht rein." Sie rechnet mit Kosten von mindestens 10.000 Euro für die Räumung. "Zusammengenommen mit den mehr als 20.000 Euro Mietrückständen sowie den Anwaltskosten übersteigt das natürlich unsere finanziellen Möglichkeiten", so die Vorsitzende.

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Vielleicht könnte wieder eine Benefiz-Aufräumaktion vieler Freiwilliger aus Flingern helfen, dazu hatte der ESV vor zwei Jahren aufgerufen, als der Fußballplatz über Nacht mit Nägeln, Glasscherben und zerbrochenen Neonröhren übersät wurde. 26 Männer und Frauen hatten damals mit angepackt und den mehr als 7000 Quadratmeter großen Ascheplatz Steinchen für Steinchen gesäubert. Es war nicht die erste Aktion dieser Art. Einmal war der Platz mit alten Zeitungen bedeckt, ein anderes Mal mit Hundekot, dann wiederum waren die Flutlichtmasten aufgesägt und die Stromkabel durchtrennt. Der oder die "Täter" wurden nie ausfindig gemacht.

Ob der Spielbetrieb für die Fußballer des ESV jetzt aufrechterhalten werden kann, ist fraglich. "Ich denke darüber nach, anstehende Spiele abzusagen. Es sind ja auch immer Kinder auf der Anlage, und ich mache mir Sorgen, dass die sich verletzen können", sagt Geschäftsführer Fred Kurasch. Unabhängig davon haben die Verantwortlichen des ESV Blau-Weiss jedenfalls so eine Vermutung, wohin der Ober-Indianer, der stets als Alleinverantwortlicher aufgetreten sei, verschwunden ist. Im Netz stießen sie auf einen Artikel in der Rhein-Zeitung mit der Überschrift "Indianer kommen von Düsseldorf nach Harbach". Angesprochen auf den "Nachbarschaftsstreit" mit dem ESV wird der 52-Jährige wie folgt zitiert: "Das wurde mir schließlich alles zu bunt. Wir hatten nur Scherereien. Hier in Harbach ist das anders. Die Leute sind alle absolut nett." Harbach in der Pfalz hat 532 Einwohner.

(arc)