Düsseltal : Früchtehaus am Zoo schließt

Am 31. Dezember wird Inhaber Frank Weller zum letzten Mal die Türen öffnen. Ab heute informiert er seine Kunden über die Geschäftsaufgabe, zu der sich Weller nicht aus wirtschaftlichen Gründen entschieden hat.

So richtig begriffen hat Frank Weller noch nicht, dass ihm nur noch ein paar Tage bleiben, bis er das Früchtehaus am Zoo schließt. "Wir sind noch voll im Geschäft", sagt der 49-Jährige, der den Entschluss im Laufe des Jahres gefasst hat. Nicht aus wirtschaftlichen, "sondern aus tiefen persönlichen Gründen", wie er sagt. Viele Nächte lag der Unternehmer wach, grübelte, dachte nach, besprach sich mit seiner Familie, bis er schließlich entschied, dass er eine Veränderung will, dass es keine weitere Generation geben soll, die das Traditionsgeschäft übernimmt.

Es in fremde Hände zu geben, das wollte Frank Weller nicht. "Das macht keinen Sinn, wir sind ein Familienbetrieb, der sich einen Namen gemacht hat", sagt er. 30 Jahre lang verkaufte Weller Obst und Gemüse an der Rethelstraße, als Kind verdiente er sich bereits sein erstes Taschengeld hinter dem Tresen. "Ich bin hier aufgewachsen", sagt er, "meine Ururgroßeltern haben mit dem Obsthandel in Düsseldorf angefangen." Vor 114 Jahren, im September 1902. Damals brachten die Wellers Äpfel und Birnen mit Obstschiffen vom Ober- und Mittelrhein sowie der Elbe nach Düsseldorf, die Ware verkauften sie am Rheinufer. "Aus diesem Grund trägt das Früchtehaus im Logo ein Schiff", erklärt Weller.

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Der Zweite Weltkrieg zwang die Wellers, mit dem Verkauf vorübergehend zu pausieren, sieben lange Jahre. Mit dem Wiederaufbau der Landeshauptstadt bezog die Familie 1949 erstmals ein richtiges Ladenlokal, das an der Rethelstraße 140 lag. Fünf Jahre später kauften die Wellers das Gebäude nebenan, die Hausnummer 142, wo das Früchtehaus seither beheimatet ist. Frank Wellers Urgroßeltern und Großeltern vergrößerten das Sortiment, zum Obst kam Gemüse hinzu. Wellers Eltern Horst und Marianne übernahmen 1967 das Geschäft, das sie um eine Blumenabteilung erweiterten. Weil Mariannes Familie ein landwirtschaftlicher Betrieb in Meerbusch-Büderich gehörte. Sommerblumen, Gemüse und Kartoffeln kommen noch heute frisch von den Feldern auf der anderen Rheinseite.

"Ein Stück Geschichte geht in Düsseltal verloren", gibt Weller zu, so wie es in vielen anderen Stadtteilen schon passiert ist, wo andere Institutionen geschlossen haben. "Wie das Buchhaus Stern-Verlag an der Friedrichstraße oder Strauß - das Unternehmen gibt immer wieder Filialen auf", sagt Weller. Es sei schwerer geworden für den Einzelhandel, "auch wenn uns zum Glück nie Mieterhöhungen aufgebrummt wurden, weil uns das Ladenlokal gehört", sagt der 49-Jährige.

Immerhin bleibt der gebürtige Düsseldorfer seiner Heimat treu, genug zu tun hat Weller noch. "Wir wollen jetzt erstmal einen sauberen Abschluss machen und das Ladenlokal ab Januar dann modernisieren", erzählt er. Bestandsschutz hatte das Früchtehaus, der nun nicht mehr gilt. Neue Sicherheitstechnik und Elektrik müssten eingebaut werden, das Ladenlokal soll zudem vergrößert werden - auf etwa 150 Quadratmeter. Mit potenziellen Nachmietern steht Frank Weller bereits in Verhandlung, wer genau einziehen wird, das will er noch nicht sagen. Aber Sorgen macht sich Weller keine, dass das Geschäft lange leer steht, "wir sind hier an der Rethelstraße, und unser Laden ist ebenerdig zugänglich".

Ein paar Stammkunden hätten von der Nachricht schon gehört, "die sind traurig", sagt Weller, weil er immer viel Wert gelegt habe auf Qualität, "auch wenn dann eine Clementine mal teurer war als im Discounter". Vier mal noch wird Frank Weller die Türen öffnen, und er verspricht, dass die Schließung keine Auswirkungen haben wird auf das Angebot. Auch am letzten Tag nicht, am 31. Dezember, wenn nicht nur ein Jahr zu Ende geht, sondern eine Ära.

(RP)