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Düsseldorf: Othello Johns überraschend verstorben

Gründer des Vereins „Kabawil“ mit 57 Jahren gestorben : Tanzszene trauert um Othello Johns

Der Tänzer, Lehrer und Choreograf Othello Johns ist gestorben. Der 57-jährige US-Amerikaner gehörte zu den ersten Dozenten, die HipHop am Tanzhaus NRW unterrichteten.

Allein die Begrüßung. „Hey, Leute, schön euch zu sehen. Wie geht’s?“ Othello Johns begann seinen Unterricht, wie andere die Rückkehr eines lang vermissten Freundes feiern. Generationen begabter und nicht so begabter Schüler folgten der John’schen Zuversicht, dass es in seiner Stunde gut laufen würde. Der 1,90-Meter-Mann sendete Kraft und Optimismus aus, es war genug für alle da. Jetzt ist der Tänzer, Choreograf und Lehrer unerwartet gestorben. Kondolenzbekundungen aus der ganzen Welt fluten seither E-Mail-Postfächer und soziale Medien.

Der 57 Jahre alte US-Amerikaner gehörte vor mehr als 20 Jahren zu den ersten Dozenten, die HipHop und andere Urban Styles am Tanzhaus NRW unterrichteten. Zu Beginn des Jahres 2000 lernte er die Kulturpädagogin Petra Kron kennen. Sie gründeten in Düsseldorf den gemeinnützigen Verein „Kabawil“, der sich seither nationalen und internationalen künstlerischen Projekten mit Jugendlichen widmet. Johns arbeitete regelmäßig mit jungen Häftlingen und auch mit Geflüchteten. „Die Menschen sprechen zwar nicht die gleichen Sprachen, können sich aber alle durch Bewegungen und Tanz ausdrücken“, sagte er einmal. „Sie wissen gar nicht, was in ihnen steckt.“

Er bemühte sich, es ihnen beizubringen, und bewies darin eine glückliche Hand. Dies auch, weil sein pädagogisches Engagement von großem künstlerischen Können getragen wurde. Johns hatte eine exzellente Ausbildung genossen: Er studierte Tanz und Choreografie an der Universität von Louisiana und erweiterte seine Kenntnisse an den beiden New Yorker Kaderschmieden des Modern Dance, der Martha Graham School und der Erick Hawkins School.

Dass er seine Schüler und Kollegen wegen der Corona-Pandemie nur noch digital erleben durfte, setzte ihm zu. Als Lehrer und Choreograf pflegte er zu ihnen einen direkten und oft intensiven Kontakt. Mit den Jahren hatte sich eine Verbundenheit ergeben, die ihm jetzt fehlte. Er hinterlässt nicht nur seine Mutter, Töchter und Geschwister, sondern auch eine große Tanz-Familie.