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Unwetter in Düsseldorf: "Der Hofgarten wird wieder schön, aber anders"

Unwetter in Düsseldorf : "Der Hofgarten wird wieder schön, aber anders"

In Düsseldorfs ältestem Park ist nichts mehr, wie es war. Auch Tage ach dem verheerenden Unwetter herrscht dort Lebensgefahr. Beim Wiederaufbau des Parks muss sein Konzept bewahrt bleiben - er ist ein Gartendenkmal.

Wer heute und in den nächsten Tagen den Hofgarten besucht, ist in Lebensgefahr. Wie die anderen Parks der Stadt ist daher alles abgesperrt, denn immer noch hängen viele hundert nicht ganz abgerissene Äste in den Kronen der Bäume, manche Stämme sind nur scheinbar unversehrt und können noch kippen - unberechenbar und daher besonders gefährlich. Was viele aber nicht daran hindert, dennoch durch die sichtlich gerupfte Grünanlage zu schlendern, mit dem Rad zu fahren, in der Sonne zu liegen oder den Schatten der noch stehenden Bäume zu suchen.

Von diesen Bäumen jedoch sind mindestens zur Hälfte entweder zerstört oder schwer beschädigt, sagt Gärtnermeister Michael Hornung (46), der beim Gartenamt zuständig ist für den Hofgarten. Gemeinsam mit Gartenamts-Chefin Doris Törkel präsentierte er gestern das Ausmaß der Zerstörung durch den Orkan. Fazit vorweg: Der Schaden ist riesig und dem Team von Gärtnern im Betriebshof an der Inselstraße ist anzusehen, wie sehr sie das schockt, was sie sehen. Hornung beispielsweise betreut den Hofgarten seit 20 Jahren, er kennt - buchstäblich - jeden Baum, weiß daher um die Schwere des Verlustes.

Rund 4000 Bäume hat der Park, und Hornung ist sicher, dass davon rund die Hälfte schwer beschädigt oder nicht mehr zu retten ist. In den nächsten Tagen, sagt Gartensamts-Chefin Törkel, werde man jeden einzelnen Baum prüfen. Und dabei nicht selten eine Art Todesurteil fällen: Vieles, was noch steht, ist nicht mehr zu retten. Entweder sind die Risse zu groß (das nutzen Schädlinge) oder das Gehölz selbst ist so angeschlagen, dass es keine Zukunft mehr hat.

Aber viele, deren Kronen zerfetzt wurden oder die Äste verloren, sind zu retten. Damit wird man die nächste Zeit beschäftigt sein. Zudem muss das am Boden liegende Holz herausgeschafft und entsorgt werden. Man hofft, schon bald mit entsprechend schwerem Gerät anrücken und die Arbeit beginnen zu können. Wochen und Monate wird es dauern, bis die Spuren des Orkans beseitigt sind.

Und erst dann kann man beginnen, die riesigen Lücken zu schließen - wenn man das denn auch wirklich will. Nicht auszuschließen, dass man womöglich neue Sichtachsen bestehen und andere Lücken lässt.

Aber der von Nicolas von Pigage und Maximilian Weyhe angelegte Park ist keine Verfügungsmasse der Stadt: Die gesamte Anlage wurde von den damaligen Meistern der Gartenarchitektur gründlich durchdacht und bewusst angelegt. Daher ist der Hofgarten heute ein Gartendenkmal, ist also geschützt und muss wieder so repariert werden, dass die seinerzeit gewollte Ordnung und Idee erhalten bleibt. Dem ist man verpflichtet, und daran hält man sich auch, sagten gestern die Fachleute. Aber weil die gekippten Bäume teilweise sehr alt (bis zu 180 Jahre) und entsprechend groß waren, wird sich allein schon durch ihr Fehlen die Optik des Parks dramatisch verändern. Hornung: "Es wird viele Jahre dauern, bis sich das Bild wieder angeglichen hat. Aber der Hofgarten wird schon bald wieder schön. Nur anders."

(RP)