Dormagen: Zeitzeugen gesucht

Dormagen: Zeitzeugen gesucht

Durch Zufall konnten 54 Aufnahmen aus dem einstigen Reserve-Lazarett Knechtsteden vom Förderverein für das Missionshaus Knechtsteden angekauft werden. Nun wird gerätselt, wen die Fotografien zeigen.

Der Weltkrieg fordert seine Opfer: Unzählige werden bei den Kämpfen an der Front verletzt, wer dabei mit dem Leben davon kommt, darf auf Genesung im Lazarett hoffen. Auch in Knechtsteden war während des Krieges eine solche Verwundeten- und Krankenversorgung eingerichtet: ein "Reserve-Lazarett". Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass der Förderverein für das Missionshaus Knechtsteden kürzlich 54 historische Fotos ankaufen konnte. Aufnahmen, die aus der Zeit um 1942/43 stammen.

Nun werden Zeitzeugen gesucht, die Angaben zu den Bildern machen können. Kontaktperson seitens des Fördervereins ist Stephan Großsteinbeck. Er formuliert im Zusammenhang mit den Fotografien einige Fragen: "Was zeigen die Bilder? Welche Personen sind dort zu sehen?

Wer kann etwas zu Knechtsteden während der Zeit des Zweiten Weltkriegs berichten?" Um an Informationen zu kommen, wurden die Bilder auf der Internetseite des Vereins hinterlegt, die unter www.foerderverein-knechtsteden.de aufgerufen werden kann.

Das Reserve-Lazarett Knechtsteden bestand von 1940 bis 1945. Es unterstand der Sanitätsabteilung Düsseldorf. Die Betreuung der Patienten erfolgte durch die Missionsschwestern vom Kostbaren Blut. Spiritanerpater Theodor Rath (1900-1993) berichtet in seinem Buch "Die Knechtstedener Provinz 1895-1948" einige Details: So wurde nach der Errichtung des Lazaretts Pater Kreutzkampf als Lazarettpfarrer bestellt, eine große Zahl Priester und 20 Seminaristen belegten einen Sanitätskursus.

"Am 8. April trafen die ersten Ärzte und Zahlmeister ein. Ihnen folgten die Sanitätssoldaten." Nach dem Westfeldzug lagen bis zu 217 Kranke und Verwundete im Knechtstedener Lazarett, das auf Initiative des damaligen Provinzials der Spiritaner eingerichtet worden war und Mitte Mai 1941 schließlich von der Gestapo beschlagnahmt wurde.

Demnach hatte Reichsführer-SS Heinrich Himmler den Befehl gegeben, das Missionshaus zu beschlagnahmen und das Kloster aufzuheben. Ende Juli wurde die ethnologische Sammlung nach Berlin abtransportiert, um sie mit anderen Sammlungen zu einer "Reichskolonial-Wanderschau" zu vereinen.

War das Lazarett, das am 22. April 1943 in Reserve-Lazarett Dormagen umbenannt wurde, ursprünglich für 450 Patienten ausgelegt, stieg die Zahl später auf bis zu 900, wie Pater Rath berichtet. Der Vormarsch der Alliierten im Westen bedingte die Räumung des Reserve-Lazaretts, das nach Heiligenstadt/Thüringen verlegt wurde, an seine Stelle trat für kurze Zeit ein ein Kriegslazarett.

(NGZ)