Dormagen: Der Deichgräf geht

Dormagen: Der Deichgräf geht

Artur Auweiler legt nach sechs Jahren sein Amt als Deichgräf des Deichverbandes Dormagen/Zons nieder. "Der Rhein war mein Schicksal", resümiert der 73-Jährige heute.

Zum letzten Mal war er jetzt offiziell aktiv, nahm Artur Auweiler als Deichgräf gestern Abend noch einmal an einer Sitzung des Deichverbandes teil. Nach sechs Jahren übergibt er sein Amt zum 1. April an Geschäftsführer Eduard Breimann. "Der Rhein war mein Schicksal", resümiert der 73-Jährige heute.

Geboren in Wesseling am Rhein, lernte er am Rhein seine Frau kennen, und auch beruflich spielte der Rhein immer eine Rolle - nicht erst seit er sich beim Deichverband engagierte. Vor seinem Engagement beim Deichverband war Artur Auweiler 17 Jahre lang Chef der Dormagener Feuerwehr, davor in Köln im Einsatz.

In den fast 40 Jahren als aktiver Feuerwehrmann war er bei allen großen Hochwassern dabei, eben auch beim Jahrhunderthochwasser 1995. Dabei kam Auweiler in Kontakt mit dem Deichverband, damals wurde ein Führungsstab gebildet, mit den Deichgräfen aus Zons und Dormagen und Auweiler als Stabsleiter.

Mit der Fusion der beiden Deichverbände kam Auweiler schnell wieder ins Spiel: Er konzipierte die Halle, in der die Geräte und einzelnen Elemente für den Hochwasserschutz aufbewahrt werden. Laut Satzung durfte jedoch nur Mitglied werden, wer ein Grundstück im Verbandsgebiet hat. Auweiler jedoch wohnt in Dormagen-Mitte, so wurde er als technischer Heimrat eingesetzt. Seine Aufgabe: Im Hochwasserfall alles zu koordinieren.

2004 bekundet sein Vorgänger Johannes Steffen seinen Rückzug. Geschäftsführer Auweiler wurde zunächst für ein Jahr Deichgräf, woraufhin er 2005 in diesem Amt bestätigt wurde. "Anfangs wollte ich alles allein machen", sagt er schmunzelnd, "ohne zu wissen, was alles auf mich zukommen würde." Ein Gerichtsbeschluss schrieb eine veränderte Beitragsberechnung vor, jedes einzelne der 11.000 Grundstücke musste neu überprüft werden.

"Oft an der Leistungsgrenze"

So holte er Eduard Breimann mit ins Boot, alle anfallenden Arbeiten erledigten die beiden ohne Fachfirmen. "Dadurch haben wir eine Menge Geld eingespart", erläutert Auweiler. "Aber wir sind schon oft an unsere Leistungsgrenze gestoßen."

Eigentlich gefiel Auweiler sein Ehrenamt, auch wenn das Beweissicherungsverfahren, das seit 2005 wegen der Mängel an der Deichmauer lief, ihn manchmal fast verzweifeln ließ. "Ich habe schon vorher Führungsaufgaben gehabt, in denen ich sofort Entscheidungen treffen musste - unglaublich, wie lang sich hier alles hinzog."

Als jedoch der 29. Januar vergangenen Jahres kam, ihm der technische Heimrat von dem deutlichen Riss in der Mauer berichtete und ins Laufen kam, was den Deichverband und die neu gegründete IG Deichverbandsgeschädigter nun seit Monaten beschäftigt, kam Auweiler ins Grübeln.

"Ich bin auch in einem Alter, in dem ich darüber nachdenken muss, ob das der richtige Weg ist." Verstehen kann er die IG schon ein bisschen. "Klar kostet das alles deren Geld. Aber vorher haben sich die Leute nicht sehr für den Deichverband interessiert. Ich sage ganz ehrlich, wenn der 29. Januar nicht gekommen wäre, wäre ich vielleicht dabei geblieben", sagt Auweiler.

Was er an positiven Erinnerungen mitnimmt, ist vor allem die gute und verlässliche Zusammenarbeit mit den Kollegen im Deichamt und mit dem Erbentag.