Dormagen: Das Rathaus wird 100

Dormagen: Das Rathaus wird 100

Der linke Teil vom historischen Rathaus wurde vor genau 100 Jahren fertiggestellt. 36 Jahre später wich die ehemalige Volksschule einer Rathauserweiterung. 1994 erfolgte die Grundsteinlegung für das "neue Rathaus".

Wenn Dormagen so etwas wie ein Wahrzeichen besitzt, dann ist es das historische Rathaus. Mit keinem anderen Gebäude wird die Stadt so sehr identifiziert wie mit diesem markanten Bau und seiner Turmglocke. Ein Gebäude, das wahrlich die Bezeichnung "historisch" verdient. Wurde das beliebte Foto- und Postkarten-Motiv vor genau 100 Jahren fertiggestellt. Und das in einer Zeit, in der Dormagen noch eine kleine Gemeinde mit gerade einmal 3000 Einwohnern war.

Für diese stellte der Bau des damals linken Teils des historischen Rathauses eine gewaltige Kraftanstrengung dar. Kostete das Gebäude doch 20.000 Mark. 1909 - als die Grundsteinlegung erfolgte - eine Menge Geld. Doch der Neubau war nötig. Schließlich war das bis dahin genutzte Gemeindehaus in einem so maroden Zustand, dass akute Einsturzgefahr drohte.

So schrieb der Neusser Kreisbaumeisters Hubert Lichius in seinem 1907 erstellte Gutachten: "Der ältere Teil des Gebäudes - enthaltend Eingangsflur mit Treppe, 2 Büreaus, darüber 1 Sitzungs- und 1 Aktenzimmer - ist im Jahre 1765 errichtet …. Das Dach, das aus Holz bestehende Strebenwerk und die Treppe sind akut vom Einsturz bedroht, so dass sich eine Reparatur nicht lohnt."

Nach langen Diskussionen wurde also der linke, ältere Teil des historischen Rathauses errichtet. Das Gebäude barg im Erdgeschoss ein 32 Quadratmeter großes Sitzungszimmer, ein Dienstzimmer des Bürgermeisters, noch einmal einen kleinen Raum für seine Sekretärin und einen 30 Quadratmeter großen Aktenraum.

Das war alles. Das gesamte Obergeschoss diente als Dienstwohnung des Bürgermeisters und unterm Dach befanden sich ein Gästezimmer und ein "Mädchenzimmer". Interessant ist, dass schon der damalige Bürgermeister Karl Wagner einen Markt vor dem historischen Rathaus vor Augen hatte.

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Im Bericht an den Landrat vom 18. Februar 1909 betonte er: "Die vom Gemeinderat beschlossene Bauausführung ist der erste Schritt zur Schaffung eines freien (Markt-) Platzes und wird hoffentlich nach Einführung eines intensiveren Obst- und Gemüsebaues in der Gemeinde später in der größer gewordenen Gemeinde als Marktplatz genutzt werden." Es dauerte dann aber fast 80 Jahre, bis 1985 auf dem Paul-Wierich-Platz der erste Wochenmarkt stattgefunden hat.

Viel früher - nämlich 1936/37 wurde das historische Rathaus erweitert. Bis dahin lag rechts vom Rathaus der zweigeschossige Trakt der 1860 erbauten Volksschule. Erst als Mitte der 1930er Jahre sowohl die Schülerzahl als auch die Personalstärke der kommunalen Bediensteten so angestiegen sind, dass eine bauliche Veränderung unvermeidlich wurde, entschied sich die Amtsvertretung, die alte Volksschule abzubrechen und einen Neubau an der Langemarckstraße zu errichten.

Auf dem Terrain der abgebrochenen Schule entstand der neuere, rechte Rathausflügel. Offenbar bestand nach dem Bau die Sorge, die Bürger würden sich im Rathaus verlaufen. Deshalb veröffentlichte die Gemeinde eine Anordnung der Diensträume - und Sie bat die Bürger, den Plan aufzubewahren.

Um der wachsende Zahl der Mitarbeiter gerecht zu werden, erfolgte im September 1994 die Grundsteinlegung für das "neue Rathaus". Am 21. Juni 1997 übergaben schließlich Bürgermeister Heinz Hilgers und Ehrenbürger Paul Wierich das historische Rathaus seiner neuen Bestimmung. Dort befinden sich jetzt das Standesamt und die Fraktionsbüros der CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Zentrum und BfD.