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Mobilfunk-Anlagen: Baubiologe für Podium abgelehnt

Mobilfunk-Anlagen : Baubiologe für Podium abgelehnt

Eine Informationsveranstaltung über die Auswirkungen von Mobilfunk-Anlagen, gesundheitliche Gefahren und den Stand der Wissenschaft plant die Stadt zusammen mit der Gemeinde Rommerskirchen. Doch wer am 31. Oktober um 19 Uhr in der Kulturhalle an der Langemarkstraße als Experte auf dem Podium Platz nehmen soll, darüber herrschten im Vorfeld unterschiedliche Ansichten.

Als einer der Teilnehmer war der Neusser Baubiologe Wolfgang Maes im Gespräch. Maes hatte erst vor wenigen Tagen in Rommerskirchen referiert, war auch schon Gast im NGZ-Gespräch und tritt für einen bewussten Umgang mit der Technik" eintritt, um biologische Nebenwirkungen" etwa durch gepulste Mikrowellen auszuschließen. Doch gegen die Teilnahme von Maes regte sich offensichtlich Widerstand der Mobilfunk-Anbieter: Diese wollten zu diesem Thema nicht zusammen mit Wolfgang Maes diskutieren, hatte Beigeordneter Hans-Dieter Schwarz bereits den Planungsausschuss informiert. Für die Veranstaltung werde deshalb ein anderer Vertreter des Fachs eingeladen.

Der Wunsch, nicht mit dem Baubiologen an einem Tisch zu diskutieren, erklärt Friedhelm Gehlen, Ansprechpartner zum Thema Mobilfunk bei Mobilfunkbetreiber T-Mobil , "aus der Erfahrung heraus, dass Herr Maes seinen Standpunkt nicht fachlich, sondern emotional begründet". Sein Unternehmen wolle bei dieser Frage nicht mit emotional, sondern mit wissenschaftlich argumentierenden Fachleuten diskutieren. Die Stadt steckte damit in einer Zwickmühle: "Wir wollen eine offene, alle Aspekte beleuchtende Informationsveranstaltung, und da gehören natürlich auch die Mobilfunkanbieter dazu", erklärte Bürgermeister Reinhard Hauschild. Natürlich würden auch kritische Stimmen eingeladen.

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Zugleich machte er klar, dass die Veranstaltung nur ein Schritt in einer langen Diskussion sei. Außerdem werde der Baubiologe keineswegs ausgeschlossen. "Selbstverständlich kann Herr Maes teilnehmen und aus dem Zuhörerkreis seine Fragen stellen." "Dass ist nicht das erste Mal, dass Mobilfunk-Betreiber sich so verhalten", erklärt Wolfgang Maes selbst, den solche Argumente der Firmen "zum Schmunzeln" bringen. "Das ist ein Zeichen für wenig Souveränität und für ein 'verrutschtes' Informationsverständnis." Schließlich würden die Baubiologen genauso wissenschaftlich arbeiten wie die Mobilfunkbetreiber.

"Ein Unterschied ist, dass Baubiologen bei den Strahlungsrichtwerten nicht Kurzzeitbelastungen zu Grunde legen, sondern Dauerbelastungen etwa im Schlafbereich, und deshalb für niedrigere Richtwerte eintreten. Die lassen sich aber in 99 Prozent der Fälle ohne großen Aufwand realisieren." Ein Ersatz-Vertreter für die Diskussion ist bereits gefunden - mit dem Baubiologen Dr. Martin Viernich - und mit dieser Besetzung ist Maes selbst sehr zufrieden, denn der Eingeladene ist ihm bestens bekannt: "Damit wird die Baubiologie genauso kompetent vertreten wie mit mir. Dr. Viernich hat bei uns früher Seminare besucht und wir arbeiten gut zusammen." cs

(NGZ)