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Beteiligung an dem Landesprojekt: Sechs Schulen wollen selbständig werden

Beteiligung an dem Landesprojekt : Sechs Schulen wollen selbständig werden

Von Silvia Fehse

Von Silvia Fehse

Das Modellvorhaben "Selbständige Schule" des Landes Nordrhein-Westfalen ist im Hauptausschuss der Stadt Dormagen nur eingeschränkt befürwortet worden. Interessierte Schulen dürfen zwar teilnehmen, das Projekt dürfe aber nicht zusätzliche Kosten für die Stadt bedeuten.

Die SPD hatte sich sehr für das Projekt engagiert, das den Schulen unter anderem selbständige Personal- und Sachmittelbewirtschaftung zusichern soll. "Es kann nicht sein, dass das Land Modellprojekte aufstellt, dann aber nicht die entsprechenden finanziellen Rahmenbedingungen schafft", macht CDU-Fraktionsvorsitzender Wiljo Wimmer den Standpunkt seiner Fraktion deutlich. Grundsätzlich hatte der Hauptausschuss gegen eine Beteiligung der Dormagener Schulen nichts - Geld wird die Stadt Dormagen dafür jedoch nicht bereit stellen.

Das ohnehin umstrittene Vorhaben ist damit in Dormagen erneut in Frage gestellt worden. Die übrigen Kommunen im Kreis Neuss haben bisher ebenfalls wenig Interesse daran gezeigt. Es müssen jedoch etwa 20 Schulen im Kreisgebiet zusammen kommen, damit sich die Region bewerben kann. Hinzu kommt, dass die Mehrheit der Schulleiter sich ebenfalls zum jetzigen Zeitpunkt gegen eine Teilnahme ausgesprochen hat. Sechs Schulen im Stadtgebiet haben jedoch grundsätzliches Interesse bekundet.

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Die Friedensschule, die St.-Martinus-Schule und die Astrid-Lindgren-Schule sind von seiten der Grundschulen dabei. Die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule will sich ebenfalls beteiligen. Zum Kristallisationspunkt der Befürworter unter den Schulleitern ist das Hackenbroicher Schulzentrum mit Realschule und Leibniz-Gymnasium geworden. Achim Preuß, Schulleiter des Gymnasiums, ist optimistisch:"Der Beschluss des Hauptausschusses ist natürlich enttäuschend für uns, aber das kann nicht das Ende vom Lied sein", ist er sicher.

Er will weiterhin bei seinen Kollegen für das Modellvorhaben werben. Schließlich gebe es bereits in Leverkusen Beispiele dafür, dass eine solches Konzept funktionieren kann. "Die Chance, die sich Dormagen entgehen lässt, ist enorm", so Preuß. In die gleiche Kerbe schlägt auch Robert Krumbein, SPD-Fraktionsvorsitzender. Er geht davon aus, dass weitere Schulen in das Projekt einsteigen werden, wenn es erfolgreich läuft und dass auch Dormagener Schulen später hinzu stoßen können. "Wir könnten aber auch ganz vorne mit marschieren. Ansonsten verlieren wir vier bis fünf Jahre."

Die Lehrer und Schulleiter, insbesondere die der Grundschulen, haben jedoch auch nach der Informationsversanstaltung, die die Stadt Dormagen vor einigen Wochen angeboten hat, noch erhebliche Bedenken. "Unter den gegebenen Bedingungen sehen wir uns nicht in der Lage, uns an dem Modellvorhaben zu beteiligen", erklärt Rudolf Pehé, Leiter der Theodor-Angerhausen-Schule und Sprecher der Grundschulen im Schulausschuss.

Zu viele Fragen seien offen geblieben. Unklar sei beispielweise, wie die Mehrarbeit der Verwaltung aufgefangen werden soll, wenn es pro Schule nur eine halbe Planstelle zusätzlich geben soll. "Es steht Geld vom Land zur Verfügung, aber keiner weiß, nach welchem Schlüssel es verteilt werden soll", so Pehé. Die Schulleiter sehen zudem erheblichen Qualifizierungs- und Fortbildungsbedarf: "Wir haben keine Ahnung von Arbeitsrecht, von Vertragsrecht oder von öffentlichem Ausschreibungswesen", erklärt Michael Girreßer, Rektor an der Henri-Dunant-Schule.

Krumbein betont hingegen, es sei noch zu früh, alle Fragen beantworten zu können. "Es ist schließlich ein Modellversuch, zu dem es noch keine Richtlinien gibt. In der Planungsphase wird man dann klarer sehen." Er hofft, dass sich dennoch ausreichend viele Schulen beteiligen, und will auch noch einmal bei seinen Parteikollegen im Kreises Neuss kräftig die Werbetrommel rühren. Die Zeit drängt, denn bis zum 15. November müssen sich die Schulen bei der Bezirksregierung beworben haben.

(NGZ)