Dinslaken: Flüchtling dreht Film in Deutschland

Flüchtling dreht Film in Deutschland: Eine Liebesgeschichte in Afghanistan

Der aus Afghanistan geflüchtete Sayed Omid Sami stellte in der Lichtburg seinen Film „Verbotene Liebe“ vor. Das Brisante: Die Liebesgeschichte handelt von einem jungen Muslimen, der sich in eine Hinduistin verliebt. Eine Liebe zwischen verschiedenen Religionen.

Schon kurz nachdem sich die Türen der Lichtburg geöffnet haben, strömen die ersten Besucher ins Kino 2 der Lichtspielhauses. Sie sind gekommen, um sich den Film „Verbotene Liebe“ anzusehen, produziert von Sayed Omid Sami.

Der 27-Jährige hatte den Film über eine Liebesgeschichte in der afghanischen Hauptstadt Kabul 2013 gedreht.

„Ich wollte eine Geschichte haben, die es so als Film im Afghanistan noch nicht gegeben hatte“, erklärt Sayed Omid Sami, der nicht nur Hauptdarsteller des Films ist, sondern auch das Drehbuch schrieb und ihn produzierte. „Ich bin eigentlich gelernter Bankkaufmann. Den Film habe ich als Hobby gemacht“, sagt er.

Eine Freizeitbetätigung, die schließlich zur Fluchtursache für ihn wurde. „Nach der Premiere des Films wurde ich bedroht“, erzählt er. Was vielleicht daran liegt, dass sein Film Missstände im Land kritisiert, von korrupten Polizisten bis hin zu korrupten Regierungsbeamten. „Wenn man an der Stelle kritisch ist, bekommt man Probleme“, sagt Sayed Omid Sami.

Im Film rennen Menschen eher vor der Polizei weg, als bei den Ordnungskräften Hilfe zu suchen. Für Bärbel Radmacher vom Flüchtlingsrat Dinslaken, die den Film im Mai 2017 zuerst gesehen hatte und daraufhin dafür sorgte, dass er auch in der Lichtburg gezeigt werden kann, war das ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen der deutschen und der afghanischen Mentalität. „Dort werden die Menschen damit konfrontiert, dass sie eher Probleme bekommen, wenn sie mit der Polizei zu tun haben“, sagt sie.

Im Film endet auch die Liebesgeschichte tragisch. Das hinduistische Mädchen soll von ihrem Vater in eine arrangierte Ehe gebracht werden und entzieht sich diesem Schicksal durch Selbstmord. Und der junge Afghane landet erst durch eine Intrige im Gefängnis und wird schließlich ermordet. „Das ist kein glückliches Ende. Gerade für Filme dieser Art, die man sonst kennt“, kommentiert eine Zuschauerin das Schicksal der beiden Hauptfiguren.

Das Publikum im Kinosaal ist dabei eine bunte Mischung aus Deutschen und Menschen mit Migrationshintergrund. Vor allem Menschen, die früher ihre Heimat in Afghanistan hatten sind gekommen. Insgesamt sind es rund 80 Kinogänger, die sich den Film anschauen und teilweise mit den Akteuren auf der Leinwand mitleiden.

Warum das so ist, wird vor allem in der Gesprächsrunde mit Sayed Omid Sami klar, die sich an die Vorführung des Films anschließt. Hier meldet sich auch der 18-jährige Nasir Mohammad zu Wort. „Der Film zeigt genau, wie es bei uns in Afghanistan läuft“, sagt er. „Ich finde es gut, dass die Menschen hier sehen, was dort teilweise passiert. Dass es da Dinge gibt, die sich hier niemand vorstellen kann.“ Zwangsehe für Frauen? Gewalt auf der Straße? Hierzulande eher undenkbar als Alltag. „Das ist leider die Realität in Afghanistan“, sagt Sayed Omid Sami auf die Frage eines Zuschauers, ob diese Darstellungen im Film nun eher ausgedacht ist, oder ob es im Heimatland des Drehbuchautors und Darstellers tatsächlich so zugeht.

„Allein zwischen Januar und September 2018 sind in Afghanistan 2800 Menschen umgebracht worden“, erklärt Sayed Omid Sami. „Es gibt dort etwa 20 aktive Terrororganisationen.“

Auch die Darsteller des Films blieben nicht verschont. Die Darstellerin der weiblichen Hauptfigur verschwand nach dem Film einfach, der Filmemacher erklärt. „Wir wissen nicht, was mit ihr passiert ist und haben keinen Kontakt“, sagt er. Ein weiterer Darsteller kam im vergangenen Jahr bei einem Anschlag ums Leben, berichtet er weiter.

Am Ende lässt er ein Plakat hochhalten. „Afghanistan ist kein sicheres Land“, steht darauf geschrieben. Sayed Omid Sami ruft die Menschen, die auch seiner Meinung sind, dass es unverantwortlich sei, Menschen dorthin abzuschieben, dazu auf, mit ihm neben dem Plakat für ein Foto zu posieren. Fast alle Zuschauer machen mit.

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