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Zu wenig Öko-Betriebe: "Dünger" für den Bio-Landbau - NRW weitet Förderung aus

Zu wenig Öko-Betriebe : "Dünger" für den Bio-Landbau - NRW weitet Förderung aus

Biokost ist gefragt: Im Vorjahr gaben die Bundesbürger 7,2 Prozent mehr Geld für ökologisch produzierte Lebensmittel aus. Doch die Bereitschaft der Bauern zum Umstieg ist in NRW gering. Mit höheren Prämien will das Land nun gegensteuern.

Aus sicherer Distanz beobachtet die Herde langhorniger Auerochsen den Traktor, der sich ihr langsam nähert. Landwirt Alfred Schulte-Schade schaut bei den Tieren vorbei, die in einer langgezogenen, sicher abgezäunten Ruhraue grasen. "Die sind hier wie wildlebend und damit natürlich scheu", verdeutlicht er.

Schulte-Schade ist einer von 1844 Bio-Bauern in Nordrhein-Westfalen. Der 60-Jährige betreibt in Hattingen seinen nahe am Fluss gelegen Hof, 140 Hektar groß und mit 25 Mitarbeitern. Mit eher selten gehaltenen Rassen hat er einen, wie er sagt, gut laufenden Betrieb aufgebaut: Neben einer der bundesweit größten Auerochsenherden mit 50 Tieren hält Schulte-Schade auf seinen Wiesen Simmentaler Hausrinder und einen kleinen Bestand an Bentheimer Landschweinen. Verkauft wird das bei seinen Kunden sehr beliebte Fleisch direkt im Hofladen.

Doch ökologisch wie Schulte-Schade wollen in NRW derzeit nur 5,4 Prozent der Landwirte arbeiten. Obwohl die Verbraucher immer mehr Biolebensmittel nachfragen, stellen im bevölkerungsreichsten Bundesland kaum noch Bauern ihre Produktion auf Bio-Landbau um.

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Zwar konnte die Bio-Branche 2013 bundesweit ihren Umsatz zum Vorjahr um 7,2 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro steigern - davon entfiel etwa ein Fünftel auf Nordrhein-Westfalen. Aber die ökologisch bewirtschaftete Nutzfläche in NRW stagniert bei knapp fünf Prozent. Die Folge: Ein großer Teil der verzehrten Biolebensmittel ist importiert - was auf die Ökobilanz der Gesundkost drückt.

Einer der Hauptgründe für das Zögern der Bauern: Bio ist teuer und damit auch riskant. Einkommensnachteile gegenüber herkömmlicher Landwirtschaft würden von den Öko-Marktpreisen nicht ausreichend gedeckt, räumt auch NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) ein. Mit einer Anhebung der Prämien für Öko-Betriebe will das Land den Bio-Landbau ankurbeln. Um bis zu 45 Prozent sollen Ausgleichszahlungen für die wichtigsten Feld- und Grünlandkulturen ab 2015 steigen, kündigte Remmel bei einem Besuch von Schulte-Schades Biohof an.

Bei der Landesvereinigung Ökologischer Landbau NRW kommt Remmels Vorstoß gut an: "Eine richtige agrarpolitische Weichenstellung", lobt deren Vorsitzender Heinz-Josef Thuneke. Denn aktuell stehe der Öko-Landbau unter besonderem Druck: So seien Getreide- und Milchpreise seit Jahren auf hohem Niveau. Damit werde eine Umstellung auf Bio-Betrieb weniger interessant. Zudem treibe der Boom bei Bio-Treibstoffen die Bodenpreise nach oben. Die damit verbundenen höheren Pachten seien mit Bio-Landwirtschaft kaum zu erwirtschaften.

Landwirt Schulte-Schade ergänzt: "Die Vermarktung bei Bio muss professioneller laufen." Dazu müssten die Öko-Landwirte auch enger kooperieren. Außerdem reiche es nicht, von den nach ökologischen Vorgaben aufgezogenen Rindern und Schweinen nur Steaks und Koteletts für die Gastronomie zu liefern: "Man muss natürlich das ganze Tier vermarkten können, um wirtschaftlich arbeiten zu können."

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(lnw)