Stromnetz-Konzern Amprion: Bürger machen mobil gegen riesigen Stromkonverter

Stromnetz-Konzern Amprion: Bürger machen mobil gegen riesigen Stromkonverter

Im Streit um den Standort Meerbusch hat der Stromnetz-Konzern Amprion alternative Standorte vorgeschlagen. Sie liegen aber allesamt im Rhein-Kreis Neuss. Die Betroffenen wollen dagegen mobil machen.

Der umstrittene Stromkonverter wird möglicherweise doch nicht in Meerbusch-Osterath gebaut. Stattdessen nannte der Stromnetzbetreiber Amprion am Dienstag erstmals 18 Alternativ-Standorte, die jedoch allesamt im Rhein-Kreis Neuss liegen.

In der engeren Auswahl sind neben Meerbusch Flächen in Dormagen, Grevenbroich, Kaarst, Neuss und Rommerskirchen. "Osterath ist nicht mehr unser Favorit", sagte Amprion-Projektleiter Thorsten Mikschaitis. Eine Entscheidung über den Standort soll Ende des Jahres fallen. Frühester Baubeginn wäre Anfang 2016. "Wir haben die betroffenen Städte und Kommunen informiert und sind mit ihnen in der Diskussion", sagte Mikschaitis. Entschieden sei noch nichts, betonte er.

Nach den Sommerferien soll es öffentliche Informationsveranstaltungen geben. Denn das Unternehmen befürchtet wie in Osterath massive Proteste der Anwohner gegen das Vorhaben. "Uns ist klar, dass derjenige, der am Konverter wohnen wird, davon nicht begeistert sein wird", sagte Amprion-Manager Andreas Preuß. "Aber alle kann man nie zufrieden stellen." Dennoch wolle man alle Einwände mit offenen Ohren entgegennehmen.

In Rommerskirchen stößt der neue Plan bereits auf politischen Widerstand. Der designierte Bürgermeister Martin Mertens (SPD) spricht sich gegen den Konverter aus. Er soll nicht auf Rommerskirchener Gebiet entstehen, betonte Mertens. Das Verfahren erscheine ihm "nicht ausgereift". "Außerdem ist der aktuelle Regionalplan nicht berücksichtigt, auch keine Natur- und Bodendenkmäler, da müssen wir dringend mit Amprion weitere Gespräche führen", sagte Mertens. In einigen betroffenen Kommunen kündigten Bürgern schon an, gegen den Konverter auf die Straße zu gehen. In Grevenbroich-Hoisten, einem der möglichen Standorte, gibt es bereits eine Bürgerinitiative. Die Anwohner kämpfen dort gegen zwei Windkrafträder, die die Stadtwerke errichten wollen. Es wird damit gerechnet, dass diese Initiative ihre Protestaktion auf den Konverter ausweiten wird.

In Meerbusch wehrt sich seit zwei Jahren erfolgreich eine Bürgerinitiative mit Demonstrationen, Menschenketten und Mahnwachen gegen den Bau des Konverters. Sie kritisieren, dass er zu nah an einem Wohngebiet stehen würde. Die Sprecherin der Bürgerinitiative ist nun erleichtert, dass es ein offenes Verfahren gibt. "Die Freude ist natürlich riesengroß, aber noch ist nichts entschieden", sagte Norma Köser-Voitz. Auch die angehende Meerbuscher Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage (CDU) äußerte sich erleichtert. Sie sei nun "vorsichtig optimistisch", dass der Konverter woanders gebaut werde.

Der Konverter ist Bestandteil der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende. Nach den geplanten Ausstiegen aus der Kernenergie und der Braunkohle soll der Strom in Deutschland in Zukunft hauptsächlich aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Dafür ist der Bau sogenannter Stromautobahnen nötig. Sie sollen unter anderem den Strom aus den Windkraftparks in Norddeutschland in den Süden des Landes bringen. Eine dieser Trassen führt von Emden in Niedersachsen mitten durchs Rheinland über Wesel, Krefeld und den Rhein-Kreis-Neuss bis nach Philippsburg in Baden-Württemberg.

Der Konverter soll zunächst noch konventionell erzeugten Strom auf die Stromautobahn bringen, damit nach dem Abschalten des Atomkraftwerks Philippsburg das Bundesland Baden-Württemberg kein Energieproblem bekommt. Später soll der Konverter auch die Industrie im Ruhrgebiet mit ökologisch erzeugtem Windstrom versorgen. Amprion hatte Osterath anfangs als einzigen Standort für den Konverter ausgewählt, weil dort das Umspannwerk steht, an das der Konverter auf jeden Fall angebunden werden wird - unabhängig davon ob er nun in Meerbusch oder einer anderen Stadt errichtet wird. Das ist gesetzlich festgelegt.

Die Konverteranlage soll auf einer Grundfläche von 100.000 Quadratmetern und mindestens 200 Meter von einem Wohnhaus entfernt errichtet werden. Ausschlusskriterien bei der Standortsuche sind auch Naturschutz- und Wasserschutzgebiete. "Wir wollen keine Schneise in die Landschaft ziehen", sagte Preuß. Sollten sich die Verantwortlichen bis Jahresende nicht auf einen Standort verständigt haben, wird die Suche auf angrenzende Städte und Kreise ausgedehnt.

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(RP)
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