Studie zur Braun- und Steinkohle: Quecksilber-Ausstoß von Kraftwerken belastet NRW

Studie zur Braun- und Steinkohle: Quecksilber-Ausstoß von Kraftwerken belastet NRW

Quecksilber ist giftig. Eine eher wenig beachtete Emissionsquelle sind Kohlekraftwerke. Laut einer Studie ist NRW besonders betroffen.

Nordrhein-Westfalen ist von gesundheitsgefährdendem Quecksilberausstoß aus Kohlekraftwerken besonders betroffen. 41 Prozent der Quecksilber-Emissionen in Deutschland kamen 2012 allein aus NRW-Kohlekraftwerken, die wegen hoher Schadstoffmengen meldepflichtig sind. Das geht aus einer Studie für die Bundestagsfraktion der Grünen hervor.

Ihre Landtagsfraktion in Düsseldorf forderte am Dienstag, die Grenzwerte bundes- und europaweit deutlich zu senken und sich dabei an den USA zu orientieren. Dann könnten die Emissionen in NRW um 40 Prozent gesenkt werden, sagte die energiepolitische Sprecherin der Fraktion, Wibke Brems. Sie forderte Pilotprojekte in Kohlekraftwerken des Landes.

Quecksilber gefährde vor allem Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder, erläuterte die Biologin und Autorin der Studie, Barbara Zeschmar-Lahl. Aufgenommen werde das besonders problematische Methyl-Quecksilber hauptsächlich über die Nahrungskette - insbesondere über den Fischverzehr.

Von 2010 bis 2012 stammten der Studie zufolge mindestens 70 Prozent der Quecksilberemissionen bundesweit aus dem Energiesektor - hauptsächlich aus Braunkohle- und Steinkohlekraftwerken. Der öffentlich am meisten diskutierte Bereich - Quecksilber in Energiesparlampen und Hausmüll - habe in der gesamten Quecksilber-Schadstoffbilanz nur geringe Bedeutung, sagte Umwelt-Experte Christian Tebert vom Hamburger Institut für Ökologie und Politik.

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2012 gab es bundesweit 50 Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke mit meldepflichtigem Quecksilberausstoß - das heißt mit Jahresemissionen von mindestens zehn Kilogramm. 19 davon stehen in NRW. Die meisten hätten die deutlich niedrigeren Grenzwerte, die die USA 2012 aus Gründen des Gesundheitsschutzes eingeführt hätten, nicht eingehalten, berichtete Zeschmar-Lahl.

Die Bundesregierung unternehme keine Anstrengungen, dem positiven Beispiel der USA zu folgen, kritisierte Brems. Dabei wären die technischen Voraussetzungen in NRW sogar noch günstiger, erläuterte Tebert. Einfache - sogar in NRW entwickelte - chemische Verfahren zum Abscheiden des Quecksilbers würden den Strompreis um lediglich fünf Hundertstel Cent pro Kilowattstunde erhöhen, sagte der Ingenieur für technischen Umweltschutz.

Eine höhere Quecksilberbelastung der Anwohner in Kohleabbaugebieten sei nicht messbar, erläuterte Zeschmar-Lahl. Zwar gebe es in NRW und Ostdeutschland einen hohen Anteil an Quecksilberemissionen. Als Abgas verteile sich das Nervengift aber weltweit und werde dann durch Niederschläge in alle Gewässer eingetragen. Als Methylquecksilber finde es sich vor allem in Fischen, so dass Konsumenten mit großem Fischverzehr zu den Risikogruppen zählten. Deswegen würden Schwangere vor dem Fischverzehr gewarnt, erklärte die Biologin.

Der Studie zufolge wirkt Methylquecksilber auf das Nervensystem und schädigt insbesondere das sich entwickelnde menschliche Gehirn. Die Expertise befasst sich aber in erster Linie mit technischen Möglichkeiten der Verminderung von Quecksilberemissionen und liefert keine neuen medizinischen Analysen.

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(lnw)
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