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Dortmund: Betondecke kracht an Heiligabend auf Kinderbett

Dortmund : Betondecke kracht an Heiligabend auf Kinderbett

In einem Kinderzimmer in einem Mehrfamilienhaus in Dortmund ist an Heiligabend plötzlich eine schwere Betonplatte aus der Decke auf das Bett gekracht, wo gerade drei Kinder spielten. Die Verantwortung übernehmen will nun niemand.

Auf rund 100 Kilo schätzt Vater Taip Martinovic die Platte, die sich aus der Decke löste. Nur weil das Holz-Kopfteil des Kinderbetts den Fall des Brockens bremste, sei die achtjährige Tochter mit einer Beule davon gekommen, sagt der Familienvater. Die beiden dreijährigen Söhne blieben unverletzt, obwohl sie laut Martinovic nur wenige Zentimeter von der Stelle entfernt saßen, an der die Platte auf den Boden prallte.

"Meine Frau hat aus der Küche einen lauten Knall gehört. Als sie gesehen hat, was passiert ist, hat sie sofort den Notarzt angerufen. Es ist ein Wunder, dass nichts Schlimmeres passiert ist", erklärt Martinovic noch immer fassungslos. Vom Hausbesitzer und der Hausverwaltung fühlt er sich allein gelassen. Weil er seit eineinhalb Wochen darauf wartet, dass die Verantwortlichen etwas unternehmen, wandte sich der Familienvater nun aus Not an die Presse. Inzwischen hat er auch einen Anwalt eingeschaltet.

Ein lauter Knall

Nach dem Vorfall an Heiligabend informierte die Familie die HAK Immobilien GmbH, die zwei Arbeiter schickte, um sich den Schaden anzuschauen. "Das waren zwei einfache Arbeiter, die hier aufräumen wollten. Aber das habe ich verhindert", erklärt Martinovic, dem die Arbeiter nicht qualifiziert genug erschienen.

Die Hausverwaltung Willmann beauftragte laut Martinovic außerdem das Unternehmen BAT Asani damit, die Wohnung in Augenschein zu nehmen. "Der Mitarbeiter hat uns gesagt, dass er nichts tun kann und dass sich das erst ein Sachverständiger angucken muss", sagt Martinovic. Offenbar gebe es nicht nur Probleme mit der Decke, sondern auch mit dem Boden: "Er hat uns davon abgeraten, das Zimmer und zwei weitere zu betreten, weil da der Boden nachgegeben hat. Wir können nur noch in die Küche, das Bad und das Wohnzimmer. Wir wohnen in einer tickenden Zeitbombe."

Verantwortliche im Urlaub

Taip Martinovic macht den Besitzer der Wohnung, die HAK Immobilien GmbH aus Dortmund, verantwortlich. Cenap Yildirim von HAK Immobilien aber sieht auf Anfrage die Zuständigkeit bei der Hausverwaltung Willmann. Dort stand am Dienstag niemand für eine Stellungnahme zur Verfügung. Derzeit seien alle Verantwortlichen im Urlaub, hieß es auf Nachfrage.

Das hält Martin Röser vom Mieterverein Dortmund für unverantwortlich: "Es ist richtig, dass der Stand der Dinge geprüft wird. Und es ist üblich, dass in diesem Fall die Hausverwaltung tätig geworden ist, die sich mit der Wohnung auskennt. Aber in so einem Notfall muss der Kontakt zu der Hausverwaltung für die Mieter gewährleistet sein. Auch der Besitzer der Immobilie ist nicht komplett aus der Verantwortung."

100 Jahre altes Jugendstilhaus

Ob es auch Mängel in den anderen Wohnungen des Mehrfamilienhauses gibt, weiß Martinovic nicht. Seit vier Jahren lebt die Familie in dem etwa 100 Jahre alten Jugendstilhaus in der Nähe des Borsigplatzes, in dem sich fünf Wohnungen und eine verlassene Kneipe befinden. Im Treppenhaus blättert der Lack von den Fußleisten. Risse ziehen sich unter den Treppen im Hausflur durch den Beton. Die Holztreppe zum Keller, deren Leisten langsam zersplittern, hat Taip Martinovic mit Holzpfosten abgestützt. Nun wartet die Familie darauf, dass ein Sachverständiger ein Gutachten erstellt. Bis dahin bleibt das Unglücks-Zimmer verschlossen.

Dieser Text ist zuerst in den Ruhr Nachrichten erschienen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Betondecke stürzt auf Kinderbett in Dortmund