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Hilfloser Mann in Bankfiliale in Essen: Darum verzögern sich die Ermittlungen

Hilfloser Mann in Bankfiliale in Essen : Darum verzögern sich die Ermittlungen

In einer Essener Bankfiliale brach vor drei Monaten ein alter Mann zusammen. Vier Menschen kümmerten sich nicht um ihn, wie ein Video zeigte. Alle vier wurden von der Polizei vorgeladen. Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen.

Im Fall der unterlassenen Hilfeleistung für einen alten Mann in einer Essener Bankfiliale dauern die Ermittlungen weiter an. Ermittelt wird gegen vier Verdächtige — Männer und Frauen.

Ihnen wird vorgeworfen, vor drei Monaten den am Boden liegenden Mann ignoriert zu haben. Eine Überwachungskamera hatte das Verhalten gefilmt. Der 82-Jährige starb später im Krankenhaus.

Die vier waren wenige Wochen nach dem Vorfall zu einer Vernehmung geladen worden. Für zwei von ihnen hätten deren Anwälte Akteneinsicht erbeten, sagte die Essener Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens am Dienstag. Ein weiterer sei zur Vernehmung erschienen, allerdings war kein Dolmetscher verfügbar, so dass er nochmals geladen werden sollte. Der vierte sei nicht erschienen und habe sich auch nicht gemeldet.

Der Mann war am 3. Oktober im Vorraum einer Bank zusammengebrochen.
20 Minuten lang hatte er keinerlei Hilfe bekommen, obwohl Menschen im Raum waren. Das Überwachungsvideo zeigt vier Personen, die in dieser Zeit nacheinander Bankgeschäfte erledigten und den Mann ignorierten.

Debatte über eine Verrohung der Gesellschaft

Erst ein fünfter Kunde wählte den Notruf. Der Zusammengebrochene erlangte das Bewusstsein nicht wieder und starb einige Tage später im Krankenhaus. Die Identität der vier Verdächtigen konnte die Polizei anhand der Bankdaten ermitteln. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt und eine Debatte über eine Verrohung der Gesellschaft ausgelöst.

Nach Angaben von Jürgens steht auch die Todesursache des alten Mannes noch nicht abschließend fest. Ergebnisse von Untersuchungen stünden noch aus, sagte sie.

Wo beginnt unterlassene Hilfeleistung? Lesen Sie in einem Experten-Interview, wie eine Anwältin den Fall aus Essen bewertet.

(siev/lnw)