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Düsseldorf: Kunststiftung NRW will Verkauf von Portigon-Sammlung verhindern

Düsseldorf : Kunststiftung NRW will Verkauf von Portigon-Sammlung verhindern

Der Widerstand gegen den angekündigten Verkauf der landeseigenen WestLB-Kunstsammlung wird immer massiver. Neben diversen Petitionen, die mehrere Tausend renommierte Künstler, Kunsthistoriker und Museumsdirektoren unterzeichnet haben, gingen gestern mit Ausnahme der SPD sämtliche Parteien im Landtag zu den Verkaufsplänen auf Distanz. "Es geht nicht nur um den Verkauf. Es geht darum, ob in der Landesregierung endlich mal jemand sagt, dass Kunst mehr als nur Geld wert ist", erklärte der kulturpolitische Kopf der CDU, Thomas Sternberg. Auch NRW-CDU-Chef Armin Laschet sprach sich gegen den Verkauf aus: "Man schiebt das jetzt auf die EU. Aber das zählt nicht. Wir müssen gegenüber der EU klar machen: Das ist kein Teil der Bank, das ist Kultur." Die Verkaufsdiskussion schade dem Land: "Sämtliche Zeitungen in Deutschland diskutieren den Fall, die meisten als Skandal."

Die WestLB-Nachfolgerin Portigon, die zu 100 Prozent dem Land NRW gehört, wird auf Druck der EU bis 2017 abgewickelt. Sie hat von der WestLB rund 400 teilweise hochkarätige Kunstwerke übernommen und in der vergangenen Woche den Verkauf angekündigt. "Das ist widerwärtig", sagte Landtagsvizepräsident Oliver Keymis (Grüne), "es kann nicht sein, dass der bankenpolitische Schwanz mit dem landespolitischen Hund wedelt". Die anderen Parteien kritisierten, dass Portigon mit der Verkaufsankündigung Fakten am offiziellen Votum des Landtages vorbei schaffen wolle.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) äußerte sich erstmals zu dem Kunstverkauf. Sie sagte: "Niemand will Werke veräußern", aber die EU-Kommission habe Vorgaben gemacht. Nun beginne ein offener Dialogprozess. Dem geplanten Runden Tisch werde eine zentrale Rolle zukommen.

Schäfer, die zu den Verkaufsplänen schweigt, ließ sich gestern von ihrem Staatssekretär Bernd Neuendorf vertreten. Der beteuerte, dass der Runde Tisch mit Kunstexperten, Politikern und Portigon-Vertretern "ab Februar ergebnisoffen über den Verkauf diskutieren" werde. Was im Widerspruch zu früheren Aussagen von NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) steht, der bereits deutlich gemacht hat, dass diese Runde keinerlei Entscheidungskompetenz habe. Walter-Borjans sitzt im Portigon-Aufsichtsrat. Niemand zweifelt daran, dass Portigon-Chef Franzmeyer seine Verkaufsankündigung mit dem Finanzminister abgestimmt hat.

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Der Präsident der Kunststiftung NRW, Fritz Behrens (SPD), sprach sich vor dem NRW-Kulturausschuss gegen den angekündigten Verkauf aus. Der ehemalige NRW-Innenminister bot sogar die Hilfe der Kunststiftung an: "Wenn jemand unsere finanzielle Unterstützung anfragen würde, um den Erhalt der Sammlung für NRW zu sichern, würden wir das sehr wohlwollend prüfen." Der Jahresetat der Kunststiftung beträgt rund neun Millionen Euro. Der Wert der Kunstsammlung wird auf 100 bis 150 Millionen Euro geschätzt.

(RP)