Justiz schickt Bedienstete zum Sprachtraining

Justiz schickt Bedienstete zum Sprachtraining

Anderthalb Jahre nach Eröffnung des neuen Justizzentrums am Oberbilker Markt schickt das Amtsgericht jetzt 14 Protokollführer zum Sprechtraining. Für 1200 Euro wird ihnen von einer Profi-Stimmtrainerin beigebracht, wie man Prozess-Durchsagen über Mikrofon für Angeklagte, Zeugen und Publikum deutlich ausspricht. Das sei nötig, weil bisherige Durchsagen auf den Gerichtsfluren oft verhallen. Gerichtssprecher Stefan Coners machte dafür gestern nicht nur die Justizkräfte verantwortlich. Schuld seien auch Besonderheiten der "baulichen Akustik", die auf manchen Gerichtsfluren "nicht optimal" sei.

Verzerrt und zu leise

Verzerrt, verwaschen, zu leise oder voller Widerhall auf kahlen Gängen: Lautsprecherdurchsagen im neuen Gericht sind selten verständlich. Dabei sind die Protokollkräfte des Amtsgerichts jahrelang geübt. Auch im ehemaligen Altstadtgericht an der Mühlenstraße wurden Prozesstermine und -beteiligte über Mikrofon und Lautsprecher förmlich aufgerufen. Jetzt aber müsse das Sprechverhalten der Protokollführer nachgeschult werden, befand die Gerichtsspitze und engagierte für 150 Euro pro Stunde und Kursteilnehmer eine Profi-Trainerin. Die richtige Körperhaltung, das richtige Atmen vor und bei der Durchsage sowie der richtige Abstand zum Mikrofon (fünf Zentimeter) sollen kein Zufall sein, sondern fachgerecht vermittelt werden. Gerichtssprecher Coners bestätigte, dass jene Trainerin aber schon beim ersten Übungstermin vor einer Woche ein überraschendes Fazit zog: Grundsätzlich sprechen alle Protokollkräfte klar und deutlich. Dafür hakt es aber offenbar bei der technischen Anlage sowie der Akustik auf den Gerichtsfluren. So fand die Stimmtrainerin, dass es zu wenig Lautsprecher gibt oder an den falschen Stellen. Das hallende Echo der Durchsagen sei allein durch Sprechtraining der Justizkräfte jedenfalls nicht zu beheben. Neben der Nachschulung fürs Personal, die am Freitag fortgesetzt wird, will das Gericht laut Coners "die Technik weiter optimieren". Das soll mit einer Fachfirma geklärt werden. Der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) als Bauherr und Vermieter bleibt davon unberührt. Eine Sprecherin ging gestern davon aus, dass die Justiz ihre Verständigungsprobleme in eigener Regie klärt.

(RP)