Städtereisen Paris : Eine Stadt für Spaziergänger

Paris ist einfach eine Stadt für Spaziergänger: Boulevards mit teuren Geschäften, kopfsteingepflasterte Hinterhöfe, legendäre Sehenswürdigkeiten und bunte Einwandererviertel - all das lässt sich zu Fuß am besten erkunden.

Das Flanieren hat in Paris Tradition. Wer ist nicht alles genießerisch durch die Stadt gebummelt? Natürlich kommt man auch mit der Métro wunderbar vom Eiffelturm nach Montmartre und weiter zur Bastille. Doch dann entgehen einem all die vielen Details, die Paris so liebenswert machen. Es gibt unendlich viele Routen durch die Stadt - hier eine Auswahl der zehn schönsten Spaziergänge:

1. Wer den historischen Kern der Stadt entdecken möchte, sollte auf den beiden Seine-Inseln beginnen. Dort hauste schon der gallische Stamm der Parisii, der der Stadt ihren Namen gab. Auf der Ile-de-la-Cité steht Notre-Dame, ein Meisterwerk der Gotik, auf deren Fassade es vor Skulpturen nur so wimmelt. Die Nachbarinsel Saint-Louis bietet einen der besten Picknickplätze von Paris: Unten am Seine-Ufer, mit Blick auf den Chor von der herrlichen Kathedrale.

2. Das Marais ist heute vor allem als Schwulenszene mit vielen Kneipen und schicken Läden bekannt. Doch wer beim Gang durch das Viertel genau hinschaut, entdeckt auch viele Spuren jüdischen Lebens: Eine Synagoge mit Jugendstilfassade, koschere Lebensmittelläden, Gedenktafeln für deportierte jüdische Schulkinder. Am Samstag, dem jüdischen Ruhetag, sieht man häufig orthodoxe Juden mit schwarzen Hüten und Schläfenlocken auf dem Weg zum Gottesdienst. Die Shoah-Gedenkstätte erinnert an die wechselvolle Geschichte der Juden in Frankreich. Auf einer Mauer sind die Namen der etwa 76 000 aus Frankreich deportierten Juden eingraviert.

3. Für einen Spaziergang auf dem Hügel von Montmartre sind bequeme Schuhe nötig: Es geht steile Stiegen hinauf und herab. Der Vorplatz der Kirche Sacré-Coeur bietet einen herrlichen Blick auf die Stadt, aber das Gedränge aus Besuchern, Souvenirverkäufern und Straßenkünstlern geht einem schnell auf die Nerven. Schöner ist der westliche Teil des Hügels, der mit seinen kleinen Häusern und überwucherten Fassaden an das romantische Windmühlendorf erinnert, das im 19. Jahrhundert so viele Künstler anzog. Beim jährlichen Weinlesefest rund um den letzten Weinberg von Paris wird in Montmartre kräftig gefeiert.

4. Von der Bastille, dem Gefängnis, das die Revolutionäre stürmten, ist bis auf eine Markierung im Kopfsteinpflaster heute nichts mehr übrig. Das Viertel lohnt einen Spaziergang schon allein wegen der vielen hübschen Hinterhöfe, in denen früher vor allem Möbelschreiner arbeiteten. Hier findet sich auch der Marché d'Aligre, einer der buntesten und lebendigsten Gemüsemärkte von Paris. Über die Promenade Plantée, eine begrünte Hochbahnlinie, kann man von Autos ungestört bis zum Bois de Vincennes laufen.

5. Auf der linken Seine-Seite lässt es sich gut auf den Spuren der Römer spazieren: etwa von den Thermen beim Cluny-Museum zum Amphitheater, in dem heute kleine Jungen Fußball spielen. Die Rue Mouffetard mit ihren Studentenkneipen und dem kleinen Markt verläuft noch heute auf einer ehemaligen Römerstraße. Und wenn man schon mal in der Ecke ist, lohnt natürlich ein Abstecher ins Pantheon, das mal als Kirche, mal als Heldentempel diente. Erschreckend bloß, dass die Franzosen bislang nur einer einzigen Frau aufgrund ihrer Verdienste einen Platz dort eingeräumt haben, nämlich der Physikerin Marie Curie.

6. Paris hat den großen Vorteil, dass sich sogar andere Kontinente ohne großen Aufwand entdecken lassen. Ganz in der Nähe des Gare du Nord befindet sich das tamilische Viertel mit all seinen exotischen Gewürzen, Sari-Läden und bunten Götterstatuen. Und ein paar Straßen weiter wähnt man sich plötzlich in Afrika: Die Frisöre sind auf komplizierte Zöpfchenfrisuren spezialisiert, aus einem Musikladen dröhnt kongolesische Rumba, und in den Geschäften gibt es Maniok, Palmöl und bunte Batikstoffe zu kaufen.

7. Wenn das Wetter schön ist, bietet sich ein Spaziergang am Canal Saint-Martin an, am besten mit Picknick im Schatten der Platanen. Am Ufer und in den angrenzenden Straßen finden sich viele nette Cafés und Geschäfte mit lustigem Schnickschnack. Der Canal wäre in den 70er Jahren beinahe unter einer Schnellstraße verschwunden. Heute ist die Straße am Canal jeden Sonntag autofrei und ein echtes Naherholungsgebiet für Pariser und Besucher.

8. So richtig gediegen geht es rund um den Boulevard Saint-Germain zu:
Dort staksen überdurchschnittliche viele Pariserinnen in eleganten Stöckelschuhen herum, und die Herren tragen im Herbst gerne dunkelblaue Steppjacken über dem Sakko. Im "Café de Flore" und im "Deux Magots" verkehrten schon Guillaume Apollinaire, Pablo Picasso, Jean-Paul Sarte und Simone de Beauvoir - wer heute dort seinen Kaffee trinken möchte, zahlt fürs Ambiente mit. Ganz in der Nähe liegt der elegante Parc du Luxembourg mit seinem hübschen Kinderkarussell aus dem 19. Jahrhundert.

9. Bling, bling - so spotteten Franzosen über den Hang zum Luxus ihres früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy. Wenn man vom Elyséepalast, dem Sitz des Präsidenten, die Rue du Faubourg Saint-Honoré hinuntergeht, kann man sich an den Schaufenstern der Edelboutiquen so richtig satt sehen. Dort kostet ein paar Schuhe etwa so viel wie anderswo der Inhalt eines ganzen Kleiderschranks. In den Luxushotels des Viertels steigen Stars und Sternchen, aber auch ausländische Staatsgäste ab.

10. Zu den eher unbekannten, aber entdeckenswerten Vierteln in Paris zählt die Siedlung Villa Mouzaia mit ihren winzigen Häusern und zugewucherten Vorgärten. Sie ist über einem alten Steinbruch gebaut, deswegen darf sie auch nicht abgerissen und durch höhere Häuser ersetzt werden. Von dort sind es nur ein paar Schritte zum Parc Buttes Chaumont, einer wildromantischen Hügellandschaft mit Grotten und einem Wasserfall, der sich in einen kleinen See ergießt. Für Pariser Flaneure ist das der ideale Ort, um etwa auf der Terrasse im Café Rosa Bonheur den Tag ausklingen zu lassen und die müden Beine von sich zu strecken.

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(dpa/jco)