Jeder Fünfte bekommt mehr als 100.000 Euro: So viel vererbten die Deutschen noch nie

Jeder Fünfte bekommt mehr als 100.000 Euro : So viel vererbten die Deutschen noch nie

Die Rekordsumme von 254 Milliarden Euro wird 2013 in Deutschland vererbt. Jeder fünfte Erbe dürfte mehr als 100.000 Euro erhalten.

Die Erbschaften in Deutschland erreichen 2013 einen neuen Rekord: Die gesamte Höhe wird nach einer neuen Studie im laufenden Jahr 254 Milliarden Euro betragen — das Dreifache des Werts von 1993. Damit wächst das Erbschaftsvolumen gegenüber 2012 um elf Milliarden Euro.

Bis 2020 dürfte es weiter auf 330 Milliarden Euro anschwellen, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Allensbach-Studie im Auftrag der Postbank. Demnach erwarten 22 Prozent der künftigen Erben, dass sie von ihren Großeltern, Eltern oder anderen Nahestehenden Vermögen von mindestens 100.000 Euro erhalten. In zwei von drei Erbschaften ist eine Immobilie enthalten.

Altersvorsorge: Viele verlassen sich aufs Erbe

Die heutige Erbengeneration profitiert von den hohen Einkommens- und Vermögenszuwächsen, die ihre Großeltern und Eltern in den vergangenen Jahrzehnten erwirtschaften konnten. Der Studie zufolge erwartet jeder Fünfte über 16 Jahren eine Erbschaft im Laufe seines Lebens. Viele jüngere Leute verlassen sich bei ihrer Altersvorsorge demnach sogar darauf, später zu erben und einen Teil des Einkommensbedarfs im Alter abdecken zu können. Das Allensbach-Institut befragte im März knapp 1600 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger nach ihren Erwartungen.

Drei Viertel der künftigen Erben und sogar vier Fünftel der Erblasser gaben an, noch zu Lebzeiten über die Verteilung des Erbes mit den Nachkommen sprechen zu wollen, um einen späteren Streit zu vermeiden. Bisher gibt es klare Regelungen und Absprachen vor dem Todesfall laut der Studie nur in gut jedem vierten Erbfall. "Die Deutschen haben offenkundig aus Fehlern der Vergangenheit gelernt", sagte Postbank-Vorstandsfrau Susanne Klöß. Rechtzeitige Einigungen sind vor allem den Frauen wichtig.

Jede zweite angehende Erbin gab an, ihr sei es "ganz besonders wichtig", dass die Verteilung des Erbes mit allen Beteiligten vor dem Erbfall abgesprochen wird. Unter den männlichen Erben sagte dies nur jeder Dritte.

Bei den über 65-Jährigen planten der Studie zufolge rund drei Viertel aller Bürger — insgesamt 13 Millionen Menschen —, ein Erbe weiterzugeben. Jeder zweite Erblasser plant dabei auch die Übertragung einer Immobilie.

Hatten in früheren Umfragen 47 Prozent der künftigen Erben angegeben, die ererbte Immobilie selbst bewohnen zu wollen, sind es heute nur noch 29 Prozent. 30 Prozent der Erben wollen die ihnen übertragene Immobilie verkaufen, bisher waren dies 37 Prozent. Dagegen wollen 19 Prozent der Erben die ererbte Wohnung lieber vermieten. Bislang geschah dies nur in 14 Prozent der Erbschaftsfälle. Der Grund für diese Neuorientierung dürften die derzeit deutlich anziehenden Immobilienpreise sein — eine Verschiebung des Verkaufs lohnt sich.

Trotz der Erbschaftswelle stagnieren die Einnahmen der Länder aus der Erbschaftsteuer bislang bei vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr. "Wegen der hohen Freibeträge und der Möglichkeit, private Vermögen in steuergünstigeres Betriebsvermögen umzuwandeln, bleiben die Einnahmen gleich", sagte Stefan Bach, Steuerexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Eine Reform der Erbschaftsteuer müsse vor allem hier ansetzen. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts bleibe aber abzuwarten.

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(mar)