Krankenhaus: Pfleger führen Tagebuch für Patienten im Koma

Krankenhaus : Pfleger führen Tagebuch für Patienten im Koma

Neue Wege in der Pflege von Patienten im künstlichen Koma geht das Marienhospital Osnabrück. Vom Pflegepersonal und den Angehörigen geführte Tagebücher sollen helfen, dass die Patienten nach dem Aufwachen die Zeit ihrer Bewusstlosigkeit verarbeiten können.

Das helfe, Belastungsstörungen aus nichtverarbeiteten Erlebnissen vorzubeugen, teilte das Krankenhaus mit. Entwickelt worden sei das Tagebuch-Projekt von Pflegenden der kardiologischen Intensivstation des Marienhospitals. Bisher sei das Modell in Deutschland äußerst selten. "Patienten, die in einen komatösen Zustand versetzt werden, schlafen nicht fest, sondern verarbeiten das Erlebte oft unbewusst", erläuterte Intensivpflegerin Sylvia Hofmann.

Das Problem sei, dass die Patienten die Geschehnisse jedoch nach dem Aufwachen nicht einordnen könnten. Das Tagebuch soll auch den Angehörigen eine Hilfe sein. Sie sollen berichten, was zu Hause geschieht und was sie bewegt. Das helfe ihnen bei der Stressbewältigung auf der Intensivstation. Zudem hätten sie so das Gefühl, aktiv etwas für den kranken Angehörigen tun zu können. Auch Bilder von Kindern oder Postkarten von Verwandten und Freunden würden ins Tagebuch geklebt. Für das Personal selbst sei die Aktion ein Gewinn, weil es sich so noch mehr mit der Situation des Patienten auseinandersetzen könne. Auch unterstütze es bei der Kommunikation mit den Angehörigen.

Das künstliche Koma ist eine Langzeitnarkose auf der Intensivstation. Es kann Stunden, Tage, aber auch Wochen und länger dauern. Es handelt sich um einen Medikamentenschlaf des Körpers, der einer Vollnarkose entspricht. Er wird gewöhnlich nach einem schweren Unfall oder bei einer lebensbedrohlichen Erkrankung eingesetzt, um den Organismus zu entlasten.

(KNA)