Neuer Elektro-1er ActiveE: BMW probt den elektrischen Ernstfall

Neuer Elektro-1er ActiveE : BMW probt den elektrischen Ernstfall

Düsseldorf (RPO). Zwei Jahre, bevor die Bayern mit dem Kleinwagen i3 endgültig in die Ära der Akku-Autos starten, bauen sie jetzt als letzten Test für Modell und Markt den Einser zum Elektroauto um. Als BMW ActiveE wird er in den nächsten Wochen zu monatlichen Mietpreisen von geschätzten 500 Euro an 1100 Kunden in Amerika, Europa und Asien ausgeliefert.

"Daraus erhoffen wir uns wichtige Rückschlüsse auf die Alltagstauglichkeit und die realen Einsatzbedingungen eines Elektrofahrzeuges", sagt Projektleiter Bernhard Hofer. Solche Fragen hat BMW zwar auch schon mit den bislang rund 600 Mini E erörtert, die in den letzten Jahren viele Millionen Kilometer um den Globus gestromert sind.

Doch mit dem elektrischen Einser gehen die Bayern noch einen Schritt weiter. Nicht nur, weil es jetzt endlich vier Sitze gibt und im Kofferraum zumindest 200 Liter Platz für Kisten und Koffer bleibt. Sondern weil der ActiveE vor allem für die Ingenieure mehr ist als Marktforschung auf Rädern. "Denn unter dem Blech haben wir schon weitgehend dieselbe Technik montiert, die später auch im i3 zum Einsatz kommt", erläutert Hofer.

170 PS starker E-Motor

Wie das Megacity-Vehicle von Morgen fährt deshalb auch der elektrische Einser mit einem 170 PS starken Elektromotor, der direkt an der Hinterachse montiert ist. Obwohl die großen Batterien im Motorraum, im Mitteltunnel und hinter der Rückbank das Gewicht des Einsers auf 1,8 Tonnen steigen lassen, ist der Wagen überraschend flott unterwegs.

Zwar wird das Tempo mit Rücksicht auf die Reichweite auf 145 km/h begrenzt, was für den typischen BMW-Fahrer eine schwere Prüfung werden dürfte. Doch beim Start quietschen bisweilen sogar die Reifen, beim Ampelspurt hat man die Nase vorn, und selbst das Überholen auf der Landstraße macht Spaß — nicht umsonst beschleunigt das Coupé in weniger als 4,5 Sekunden auf Tempo 60 und hat nach neun Sekunden 100 Sachen auf der Uhr.

"Und beim i3 können sie noch mehr Fahrspaß erwarten", stellt Hofer in Aussicht. "Immerhin ist das Auto noch einmal 600 Kilogramm leichter." Denn wo der Einser noch aus Blech und Stahl gebaut wird, setzt BMW beim ersten elektrischen Kleinwagen des Unternehmens auf einen Aggregateträger aus Aluminium und eine Karosserie aus Karbon.

Reichweite von 160 Kilometer

"Damit kompensieren wir das Mehrgewicht der Akkus", verspricht Entwicklungsvorstand Klaus Draeger mit Blick auf die gut 1,2 Tonnen Leergewicht des Serienautos. Der etwas kleinere Mini wiegt da kaum weniger.

Bei einer Batteriekapazität von 32 kWh verspricht Hofer für den ActiveE nach einer Ladezeit von bis zu zwölf Stunden eine Reichweite von 160 Kilometern. Die schmilzt mit jedem Gasstoß und jedem Zwischenspurt. Aber sie wächst auch, wenn der Fahrer ein wenig Verzicht übt.

Aktiviert man zum Beispiel den Eco-Pro-Modus, dreht zwar die Klimaanlage ein paar Stufen runter, das Drehmoment wird limitiert und das Gaspedal reagiert etwas behäbiger — aber schon hat man mit einem Tastendruck etwa zehn Prozent Reichweite gewonnen.

Autobau in Leipzig

Gebaut wird der ActiveE in einem Produktionsverbund, in dem BMW fast alle wichtigen Komponenten selbst herstellt. Nur die einzelnen Akkuzellen liefert das Joint Venture von Samsung und Bosch aus Korea. Die klimatisierten, elektronisch überwachten und crashsicher gepackten Batteriepakete werden in Dingolfing montiert, wo BMW auch die elektrische Hinterachse baut.

Beides zusammen wird dann ins Werk nach Leipzig geschickt, das den Einser in einem noch von viel Handarbeit geprägten Prozess zum Elektroauto umrüstet. Die ersten 300 Fahrzeuge sind schon fertig, erzählt Hofer stolz. Der Rest soll nächstes Jahr entstehen. Lange Zeit lassen können sich die Bayern damit allerdings nicht: Spätestens Anfang 2013 brauchen die Sachsen den Platz für die Montage des Serienmodells.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2011. Der BMW 1er wird elektrisch

(SP-X)
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