Pilotprojekt mit Lärmschutzwänden an der A1: Titandioxid sagt Autoabgasen den Kampf an

Pilotprojekt mit Lärmschutzwänden an der A1 : Titandioxid sagt Autoabgasen den Kampf an

Düsseldorf (RPO). Die Zukunft der Mobilität wird immer klimafreundlicher: Die automobilen Neuheiten reduzieren den Verbrauch und pusten weniger Schadstoffe in die Atmosphäre. Und bald könnten sogar Lärmschutzwände an Autobahnen giftige Stickoxide aus der Luft filtern. Dank Titandioxid wird die A1 nördlich von Osnabrück zum Versuchslabor.

Titandioxid ist ein Multitalent: Als Inhaltsstoff von Sonnencremes absorbiert das Weißpigment Licht, als Beschichtung auf Beton-Lärmschutzwänden an Autobahnen soll es schädliche Stickoxide aus der Luft saugen. Ab Freitag wird die A1 nördlich von Osnabrück zum Versuchslabor.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach testet auf einem ein Kilometer langen Teilstück zwischen Osnabrück-Nord und Osnabrück-Hafen eine neue Titandioxid-Beschichtung der Betonwände. "Die Titandioxid-Emulsion wird wie beim Lackieren eines Autos mit einer Sprühpistole auf die Wände gesprüht", wie BASt-Sprecherin Petra Peter-Antonin auf Anfrage erklärt.

Eigentlich sollte das Pilotprojekt bereits Anfang des Jahres starten. Der Beginn verzögerte sich, "weil wir noch genaue Messungen ohne die Beschichtung durchführen wollten", so Peter-Antonin. Die Messungen und Referenzwerte sind eingeholt und auch die Laboruntersuchungen waren erfolgversprechend - am Freitag erfolgt der Startschuss.

Die BASt geht davon aus, dass es rund zwei Wochen dauern wird, bis das komplette Teilstück mit dem weißen Titandioxid, das auch Bestandteil heller Wandfarbe ist, bedeckt ist. Mit Hilfe von Titandioxid sollen in einer chemischen Reaktion giftige Stickoxide, die insbesondere Diesel-Fahrzeuge ausstoßen, in ungefährliche Stoffe umgewandelt werden. Durch diesen Vorgang, auch Photokatalyse genannt, würde die Luft reiner.

"In den kommenden zwei Jahren wird die Wirksamkeit der Beschichtung gemessen und mit den Testergebnissen ohne Titandioxid verglichen", erklärt BASt-Sprecherin Peter-Antonin. Sollten sich die positiven Ergebnisse der Laboruntersuchungen auch in der Realität bestätigen, könnte das Projekt zukunftsweisenden Charakter haben auf dem Weg zu einer nachhaltig-ökologischen Fortbewegung mit dem Auto.

"Komplett emissionsfreies Fahren dürfte ein Wunschtraum bleiben", sagt die BASt-Sprecherin. "Durch den stetigen, technischen Fortschritt der Autos und unserem hoffentlich vielversprechenden Pilotprojekt aber könnte die Luftverunreinigung erheblich reduziert werden."

Parallel zum Pilotprojekt prüft die BASt derzeit, wie sich Titandioxid in der Fahrbahnoberfläche verhält. Stickoxide gelten unter anderem als Mitursache von Smog, Ozonbildung und Klimaerwärmung. Für den menschlichen Körper haben sie eine schädliche Wirkung.

(rpo)
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