Neue Mercedes-Benz B-Klasse im Test: Premium für die ganze Familie

Neue Mercedes-Benz B-Klasse im Test : Premium für die ganze Familie

Düsseldorf (RPO). Das einzige Premium-Angebot in ihrem Segment: So beschreiben Mercedes-Entwickler die neue B-Klasse - und damit liegen sie nicht ganz falsch. Andere Premium-Marken machen einen großen Bogen um das Segment der kompakten Hochdach-Kombis.

Die zweite Generation der B-Klasse von Mercedes-Benz steht ab 26.002 Euro bei den Händlern - und ist damit nicht teurer als das Vorgängermodell. Von außen würde man das neue technische Konzept kaum bemerken, doch unter dem Blech hat sich einiges getan: Während die B-Klasse bisher über einen doppelten Sandwich-Boden und eigenständige Triebwerke verfügte, ist sie nun konventioneller aufgebaut. Und damit steigt die Zahl der Gleichteile mit anderen Mercedes-Modellen.

Der Verzicht auf das ungewöhnliche Konzept des Vorgängers kostet zwar ein paar Zentimeter Bauraum - dafür steigt die Fahrfreude deutlich. Fahrer und Passagiere sitzen tiefer als bisher, das Fahrverhalten hat an Präzision gewonnen. Mit dem optionalen, sehr straff abgestimmten Sport-Paket agiert die B-Klasse auch auf kurvigen Landstraßen professionell, allerdings auf Kosten des Komforts. Das Basismodell bietet da den harmonischeren Kompromiss.

Überraschend sparsam

Unter der kurzen Fronthaube agiert in jedem Fall ein per Turbolader zwangsbeatmeter Vierzylinder mit Direkteinspritzung. Mercedes-Benz offeriert einen 1,6-Liter-Benziner mit 90 kW/122 PS bzw. 115 kW/156 PS und einen 1,8-Liter-Diesel mit 80 kW/109 PS und 100 kW/136 PS. Der Benziner spricht schon bei niedrigen Drehzahlen spontan an und dreht sauber bis rund 6500 U/min - begleitet von einem gedämpft sonoren Klang.

Gerade bei hohen Geschwindigkeiten ist er überraschend sparsam - und dokumentiert damit das Potential, das nach Einführung von Spritspar-Techniken wie Turboaufladung, Direkteinspritzung und Start-Stopp-Automatik noch im Ottomotor steckt.

Irritierende Schaltung

Der Normverbrauch liegt bei knapp 6 l/100 km. Noch etwas besser kann es mit 4,4 l/100 km der Diesel - doch auch in der stärkeren 136-PS-Variante lässt der Selbstzünder in Sachen Fahrkultur und Fahrleistungen zu wünschen übrig. Zudem macht sich das hohe Gewicht des Dieselaggregats im Fahrverhalten bemerkbar. Ein Start-Stopp-System gehört bei beiden Motoren zur Serienausstattung.

Die Kraftübertragung auf die Vorderräder besorgt entweder ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder ein automatisches Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Beim Handschalter liegt die linke Schaltgasse ungewöhnlich nahe an der Mittelstellung. Das irritiert einen Moment lang, fällt allerdings in Fahrt nicht mehr ins Gewicht - insbesondere, weil sich das Getriebe präzise und exakt schalten lässt.

Raum in Hülle und Fülle

Das optionale Doppelkupplungsgetriebe - mit einem sehr kurz übersetzten ersten Gang - schaltet weitgehend ruckfrei. Der Schalthebel wandert hier an die Lenksäule - eine Lösung, die nicht gerade sportlich wirkt, jedoch zu einem raumbetonten Fahrzeug gut passt.

Und Raum bietet die B-Klasse in Fülle: Das Platzangebot entspricht weitgehend dem des Vorgängers, der subjektiv dank aufrechter Sitzposition und geschicktem Innenraumdesign sogar noch übertroffen wird. Der Gepäckraum ist gut zugänglich und verfügt über einen flexiblen Ladeboden. Und die Innenausstattung ist je nach Ausführung ausgesprochen hochwertig - mit Leder und Echtholz lässt die B-Klasse ihre Konkurrenz weit hinter sich.

Das gilt im Übrigen auch für die Optionsliste: Dank einer Elektronik-Architektur, die in weiten Teilen der neuen M-Klasse entspricht, gibt es für die B-Klasse eine Reihe von Sicherheits- und Assistenzsystemen, die man in dieser Klasse allenfalls vom Hörensagen kennt. Für Sicherheit ist also gesorgt, auch wenn die Aufmerksamkeit des Fahrers abschweift - und genau dies sind die Situationen, in denen die wachsame Elektronik eingreift und den Familien-Van auf Kurs hält.

Ungewöhnliche Design-Akzente

Stilistisch entfernt sich die B-Klasse nicht weit vom Vorgänger, setzt aber mit den aufpreispflichtigen Xenon-Scheinwerfern, einer schwungvollen Linie in der Flanke und einem mittig angesenktem Dach ungewöhnliche Akzente. Übrigens bildet die B-Klasse nur den Auftakt zu einer ganzen Reihe neuer Modelle, die ihre Plattform mit ihr teilen.

Neben einer sehr viel flacheren und sportlicheren A-Klasse sind dies ein Crossover-Modell im Geländewagen-Stil; eine viertürige Limousine, die von Mercedes aufgrund ihrer schnittigen Form als "Coupé" apostrophiert wird; sowie ein darauf basierendes Kombimodell. Für Vielfalt ist also gesorgt. Ab dem 19. November ist die B-Klasse im Handel.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2011: So fährt sich die neue Mercedes B-Klasse

(SP-X)
Mehr von RP ONLINE