Benjamin Nelles und Johannes Neubauer NGZ-Sportler des Monats September

Rudern :

Rudern und Neuss. Das ist eine Kombination, die passt. Der Neusser Ruderverein kann jetzt schon auf ein historisch erfolgreiches Jahr zurückblicken. Nicht nur bei nationalen und internationalen Titelkämpfen räumten die Neusser Athleten in beängstigender Regelmäßigkeit ab.

Auch bei den Sportlerwahlen standen Neusser Ruderer schon dreimal ganz oben auf dem Treppchen - in erster Linie die weiblichen Vertreter. Benjamin Nelles und Johannes Neubauer haben jetzt verdientermaßen mit dieser „Tradition“ gebrochen.

„Ich hatte immer gehofft, mal nominiert zu werden. Sonst waren es bei uns immer die Mädchen“, gesteht Nelles. Sein Bootspartner Neubauer stimmt lachend zu und ergänzt: „Es ist besonders schön, dass wir als Team gewonnen haben, was sonst eher selten ist“. Das Rampenlicht haben sich die beiden Ausnahmeathleten verdient. Bei der U23-Europameisterschaft im griechischen Ionnina holten die beiden Neusser Bronze im Leichten Zweier-ohne. Eine Leistung, die unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es ihr erster internationaler Auftritt überhaupt war und Nelles eine Altersklasse höher antrat, gar nicht hoch genug anzurechnen ist. „Die Qualifikation war schon ein Riesenerfolg“, offenbart Nelles, der damit nicht zwingend gerechnet hat. Denn der 18-jährige, der im Sommer sein Abitur am Quirinus-Gymnasium Neuss gemacht hat, dürfte eigentlich noch in der U19 starten. Um mit seinem ein Jahr älteren Trainingspartner Neubauer zusammen zu fahren, meldete er sich aber  eine Altersklasse höher.

Das Bronze-Duo fährt nämlich seit vier Jahren zusammen im Training und in Wettkämpfen. Beide sind über ein Ferienkurs des Neusser RV zum Sport gekommen und haben von da an ihre Leidenschaft entdeckt. „Wir haben relativ schnell gemerkt, dass es uns eine Menge Spaß macht und wir ein gewisses Talent besitzen“, berichten die beiden über ihre Anfangszeit. Jahrelanges Training, mit unter acht Einheiten pro Woche, teilweise mehrmals am Tag, trieb die beiden zu Spitzenleistungen und schweißte sie zusammen. Dieses Jahr trumpfte alles: Im Vierer-ohne und Leichten Achter sind sie amtierender Deutscher Meister, im Zweier-ohne Vizemeister. Die U23-Europmeisterschaft in Griechenland sollte der Höhepunkt einer grandiosen Saison sein.
Zur Vorbereitung ging es ins Trainingslager nach Berlin, wo sie die anderen deutschen Starter sowie Bundestrainerin Brigitte Bielig kennenlernten. Immer mit dabei: Heimtrainer Peter Stoffels. Nach dem absolvierten Trainingslager ging es per Flieger nach Griechenland. Nelles reiste mit großer Entourage an. „Meine Eltern und mehrere Freunde waren da. Die will man dann natürlich nicht enttäuschen, wenn die so einen Weg auf sich nehmen“, baute der Neusser voll auf die emotionale Unterstützung. Neubauer ging die Sache pragmatischer an. „Ich habe gesagt, es würde sich nicht lohnen und im Livestream sei es viel leichter zu verfolgen“, wollte der abgebrühte Ruderer seiner Familie den Aufwand ersparen.

Den Bahnverteilungslauf für das Finale beendeten die internationalen Frischlinge auf dem zweiten Platz und machten sich durchaus Hoffnungen auf eine Medaille im Endlauf. Im Finale über die 2000 Meter sorgte das Neusser Duo dann für einen Nervenzusammenbruch bei der Familie vor Ort und in der Heimat. „Wir sind schlecht gestartet und waren bis zur Hälfte nur Fünfter“, erinnert sich Neubauer. Auf dem zweiten Streckenabschnitt erhöhte das deutsche Boot dann die Schlagzahl und schoben sich immer näher ran an die Drittplatzierten Ukrainer. In einem fulminanten Schlussspurt sicherten sich Nelles und Neubauer dann Bronze. Bei der Siegerehrung platzten die beiden Nesthäckchen inmitten der älteren Konkurrenz beim Anblick der Medaille dann beinahe vor Stolz.

Die nächsten Ziele haben die beiden Studenten schon fest im Blick. „Wir visieren die WM an und wollten unsere DM-Titel verteidigen“, sind sie sich einig. Und für den, der sich gegen die Dominanz der Neusser Ruder-Frauen behaupten kann, scheint kein Ziel unerreichbar.

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