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Krankenkassen: Honorarstreit geht in zweite Runde

Krankenkassen : Honorarstreit geht in zweite Runde

Ärzte und Krankenkassen gehen an diesem Mittwoch in die zweite Runde der Honorarverhandlungen für 2015. Die Forderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sind happig. Vertreter der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hatten darauf mit Unverständnis reagiert.

Die KBV fordert nach Darstellung der GKV rund 15 Prozent oder fünf Milliarden Euro mehr an Honoraren. Der Deutsche Hausärzteverband dagegen fordere, die Honorarerhöhungen differenziert je nach Bedeutung der einzelnen Ärztegruppen für die medizinische Versorgung und nach ihrer aktuellen Einkommenssituation zu gestalten. Eine Vergabe des Honoraraufschlags nach dem Gießkannenprinzip nütze niemandem richtig, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, der Deutschen Presse-Agentur.

Bei Hausärzten gebe es sicherlich mehr Nachholbedarf bei den Honoraren als bei vielen hoch technisierten Facharztpraxen. Das Nachwuchsproblem bei den Hausärzten habe auch damit zutun, dass sich deren Verdienstmöglichkeiten weiterhin nicht mit denen eines Facharztes vergleichen ließen.

Weigeldt plädierte für die Förderung eines zweigliedrigen Systems. Dabei solle der Hausarzt für die Bevölkerung erster Ansprechpartner sein, der "als Koordinator die Befunde zusammenstellt und den ganzen Menschen sieht". Auf der zweiten Ebene müssten dann die Spezialisten angesiedelt sein. "Die Koordination ist für die älter werdende Bevölkerung wichtig. Das heißt, wir brauchen eine starke Hausärztebasis."

Nach der gut siebenstündigen ersten Verhandlungsrunde hieß es, die Stimmung sei "sachlich, nüchtern" gewesen. Die Positionen lägen erwartungsgemäß noch weit auseinander. Die KBV verhandelt für rund 150 000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten.

Weigeldt hofft, dass bei den Verhandlungen kein Schiedsspruch nötig wird. Dies wäre ein "Armutszeugnis für die Selbstverwaltung". 2012 verlangte die KBV 3,5 Milliarden Euro Honorarsteigerungen und löste damit einen äußerst heftigen Konflikt aus, bei dem Ärzte als eine Art Streik mit vorübergehenden Praxisschließungen drohten.

Unterdessen wurde am Dienstag bekannt, dass die Kassen auch für niedergelassene Ärzte über einen Qualitätsnachweis nachdenken. Ärzteverbände kritisierten das als bürokratisches Praxis-Ranking, das den Wünschen der Patienten keineswegs entspreche. Bisher werden nur für Krankenhäuser regelmäßige Qualitätsnachweise erstellt.

(dpa)