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Ulrich Weber im Interview: "Einigung mit Lokführern ist noch möglich"

Ulrich Weber im Interview : "Einigung mit Lokführern ist noch möglich"

Der Personalvorstand der Deutschen Bahn spricht über die schwierigen Verhandlungen mit der GDL, die Gefahr eines Bahnstreiks und die Probleme zweier unterschiedlicher Tarifverträge für ein- und dieselbe Berufsgruppe.

Inmitten des sich zuspitzenden Tarifkonflikts bei der Deutschen Bahn steht Personalvorstand Ulrich Weber vor einer extrem schwierigen Aufgabe: Er muss Streiks verhindern und die zwei zerstrittenen Gewerkschaften GDL und EVG von den Vorteilen gemeinsamer Verhandlungen - und damit auch nur eines Tarifvertrags - überzeugen. Doch die GDL hat die Gespräche über Verhandlungs-Spielregeln platzen lassen. Sie will der EVG die Mitglieder abspenstig machen und erhebt erstmals auch Forderungen für die Zugbegleiter. Zudem droht die Lokführer-Gewerkschaft bereits offen mit Streik.

Die GDL hat ihr Kompromissangebot vom Wochenende als "Schmierenkomödie" zurückgewiesen. Lässt sich der Streik noch abwenden?

Weber Unser Angebot steht: Eine Lösung geht nur am Verhandlungstisch. Wir brauchen Spielregeln für die künftige Zusammenarbeit zwischen EVG, GDL und DB. Bildlich gesprochen sitzen wir immer noch am Tisch und warten, dass die GDL zurückkommt. Die GDL hat ja die Gespräche beendet. Ich fordere sie auf, rasch zurückzukehren.

 Die Lokführer in Deutschland drohen mit Streik.
Die Lokführer in Deutschland drohen mit Streik. Foto: dpa, woi; cse dbo lof

Die Lokführer haben schon erklärt, sie sähen keine Chance für solche Verhandlungen.

Weber Letzte Woche war das noch anders. Dass die GDL von ihrer Kooperationsbereitschaft wieder Abstand nimmt, ist mir unverständlich. Zumal wir ein gutes Modell erarbeitet haben: Danach hätten beide Gewerkschaften mit am Tisch gesessen und sich untereinander geeinigt, wer für welche Gruppe das letzte Wort bei den Verhandlungen gehabt hätte. Und um die Hürden für die GDL niedriger zu setzen, habe ich eine Erprobungsphase vorgeschlagen. Sie können sicher sein: Ich werde weiter alles tun, alle Beteiligten vom Modell der wechselseitigen Beteiligung zu überzeugen.

Wieso sollte die GDL ein Interesse an einer Tarifgemeinschaft mit der EVG haben, schließlich will sie der Konkurrenz die Mitglieder abspenstig machen?

Weber Die Frage ist, ob ein Geschäftsmodell der Alleingänge bei der DB zukunftsfähig ist. Das glaube ich eben nicht. Ich bin sicher, dass dieser Kurs auf kein Verständnis bei den Mitarbeitern stößt.

Gesetzt den Fall, die GDL lehnt eine Kooperationsvereinbarung auch weiterhin ab, was würde das praktisch für die Bahn bedeuten?

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Weber Gäbe es zwei unterschiedliche Tarifverträge für eine Berufsgruppe, würde es zu Ungerechtigkeiten und Unordnung führen, Schichtplanwünsche zum Beispiel würden schwerer planbar, ganz abgesehen von zusätzlicher Bürokratie. Und: Ich weiß doch gar nicht, wer in einer Gewerkschaft organisiert ist - und darf das auch gar nicht erfragen.

Und jetzt droht die GDL Ihnen auch noch mit Streiks.

Weber Ich setze darauf, dass alle Seiten kühlen Kopf bewahren. Die Lage ist verzwickt, aber eine Einigung am Verhandlungstisch definitiv möglich. Was mich ärgert ist, dass die GDL schon zu Beginn von Verhandlungen droht.

Behalten Sie sich rechtliche Schritte gegen den Arbeitskampf vor?

Weber: Das gehört nicht zu meiner Auffassung von Sozialpartnerschaft.

Wenn Sie beim Aktionstag der GDL in Fulda auftreten könnten, was würden sie den Gewerkschaftern zurufen?

Weber Ich würde unser Angebot erläutern, ein Angebot, das die GDL stärkt und ihre Beteiligungsrechte erweitert - sie wäre dann nämlich auch für die Zugbegleiter mit am Tisch. Und zweitens würde ich sagen: Es stimmt nicht, dass wir nicht über die GDL-Forderungen reden wollen. Wir sind bei der Lohnfrage gesprächsbereit. Aber dafür müsste die GDL zurück an den Tisch kommen.

Am Montag hat die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft ihre Lohnforderung aufgestellt - sechs Prozent mehr, mindestens 150 Euro und eine verbesserte Eingruppierung einiger Berufsgruppen. Wie beurteilen Sie die Forderung?

Weber Das Forderungsschreiben der EVG ist noch nicht bei uns eingegangen. Deshalb ist es für eine Bewertung zu früh.

Kein Arbeitgebertag ohne ein Bekenntnis der Kanzlerin zum Tarifeinheitsgesetz. Wie groß ist Ihre Enttäuschung, dass noch nichts passiert ist?

Weber Unser bevorzugter Weg ist eine Kooperation auf freiwilliger Basis zwischen Konzern und Gewerkschaften.

(RP)