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RWE AG will Kündigungsschutz nicht verlängern

Unmut auch über Vorstands-Reisen : RWE stellt Kündigungsschutz in Frage

Verdi hat die Verhandlung zur Beschäftigungssicherung abgebrochen, weil RWE den Kündigungsschutz über 2014 hinaus nicht verlängern will. Bei Technology gehen 200 Mitarbeiter. Der Unmut wächst – auch wegen Vorstands-Reisen.

Verdi hat die Verhandlung zur Beschäftigungssicherung abgebrochen, weil RWE den Kündigungsschutz über 2014 hinaus nicht verlängern will. Bei Technology gehen 200 Mitarbeiter. Der Unmut wächst — auch wegen Vorstands-Reisen.

Im angeschlagenen RWE-Konzern gibt es neuen Ärger. Die Gewerkschaft Verdi hat die Verhandlungen mit dem Konzern über den Beschäftigungssicherungsvertrag erzürnt abgebrochen. "Wir mussten die Verhandlungen abbrechen, weil sich der Arbeitgeber überhaupt nicht bewegt. RWE hat gar kein Interesse an einer Verlängerung des Kündigungsschutzes, sondern will nur Mitarbeiter in eine Beschäftigungsgesellschaft herauskündigen", sagte Hans-Peter Lafos, der für die Gewerkschaft Verdi verhandelt, unserer Zeitung.

Eine RWE-Sprecherin bestätigt: "Es ist richtig, dass die Gespräche zum Kündigungsschutz am Freitag unterbrochen wurden, um beiden Seiten — den Gewerkschaften und der Arbeitgeberseite — Zeit zu geben, weitere Lösungsvorschläge und Ideen auszuloten."

Bis Ende 2014 sind bei RWE in Deutschland über alle Sparten hinweg betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Verdi will diese Regelung verlängern, RWE nicht. Damit rücken Kündigungen näher. Im Konzern heißt es, ohne die Möglichkeit, kündigen zu können, sei der notwendige Stellenabbau nicht zu stemmen. RWE will bis Ende 2016 rund 13 000 seiner einst 74 000 Arbeitsplätze abgebaut haben und setzt dabei unter anderem auf eine Jobbörse genannte Beschäftigungsgesellschaft.

In einer Beschäftigungsgesellschaft werden die Mitarbeiter zwar für eine befristete Zeit übernommen, doch wenn in dieser Zeit die Vermittlung auf andere Stellen inner- oder außerhalb des Konzerns nicht gelingt, werden sie arbeitslos. Die RWE-Sprecherin sagte, RWE führe derzeit wie angekündigt Gespräche mit den Tarifpartnern über Lösungen, um Mitarbeiter auf offene Stellen zu vermitteln, deren Arbeitsplätze gefährdet sein könnten.

Verdi hat nun die nächsten Verhandlungstermine mit den Personalchefs abgesagt und fordert, dass sich der Konzern bis März bewegt. Sonst werde es massiven Ärger geben, heißt es.

Beim Düsseldorfer Konkurrenten Eon, der 11 0000 seiner 80 000 Stellen abbaut, hatten 2009 in vergleichbar angespannter Lage tausende Mitarbeiter vor der Konzernzentrale und vor Kraftwerken demonstriert. Solche Proteste hatte der bis dahin erfolgsverwöhnte Konzern noch nie erlebt.

Die guten Zeiten sind auch bei RWE seit der Energiewende vorbei. Regelmäßig erreichen die Beschäftigten neue Hiobsbotschaften. Vor einer Woche kündigte die Ökostromtochter Innogy den Abbau von rund 200 Arbeitsplätzen an. Der Anlagespezialist RWE Technology mit Sitz in Essen hat zudem die Zahl der Mitarbeiter im vergangenen Jahr um 100 auf 300 reduziert, in diesem Jahr soll die Zahl um weitere 100 gesenkt werden, bestätigte der Konzern. Dabei handelt es sich unter anderem um Ingenieure, die der Konzern teilweise an anderer Stelle weiterbeschäftigen will. Ursache für den Abbau ist das Projektgeschäft an sich, zudem hat RWE auf absehbare Zeit keine Geld für den Neubau von Kraftwerken, was bislang zu den Kernaufgaben von RWE Technology zählt.

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"Der Unmut in der Belegschaft ist groß", sagt Verdi-Experte Lafos. Entsprechend schlecht kommen dann Nachrichten an wie die, dass RWE-Manager für viel Geld zum Weltwirtschaftsforum ins schweizerische Davos reisen. Wie berichtet gibt RWE insgesamt über 100 000 Euro für die Reise von Konzern-Chef Peter Terium und eines anderen Managers sowie für ein Skirennen aus, das RWE dort sponsert. Natürlich müsse sich ein Konzern auch in der Öffentlichkeit präsentieren. Doch ob ein Skirennen die geeignete Veranstaltung sei, sei doch fraglich, sagte Lafos, der für die Gewerkschaft zudem im RWE-Aufsichtsrat sitzt.

Auch bei Eon war nach 2009 eine lange Eiszeit zwischen Arbeitnehmervertretern und Konzern ausgebrochen, weil der Vorstand auf Konfrontation ging und nicht bei sich sparen wollte. Anstatt aus den Fehlern des Düsseldorfer Konkurrenten zu lernen, will RWE sie nun offenbar wiederholen.

(RP)